{"id":9667,"date":"2026-10-26T13:11:58","date_gmt":"2026-10-26T11:11:58","guid":{"rendered":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/?p=9667"},"modified":"2026-10-26T18:10:05","modified_gmt":"2026-10-26T16:10:05","slug":"kommunale-notstromversorgung-nachholbedarf-bei-der-einsatzplanung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/kommunale-notstromversorgung-nachholbedarf-bei-der-einsatzplanung\/","title":{"rendered":"Kommunale Notstromversorgung \u2014 Nachholbedarf bei der Einsatzplanung"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn das Stromnetz gro\u00dffl\u00e4chig ausf\u00e4llt, stehen Wasserversorgung, Abwasserentsorgung, Feuerwehr und Pflege vor derselben Frage: Wie lange h\u00e4lt der Betrieb ohne Netz? Der Berliner Blackout Anfang Januar 2026, bei dem ein Sabotageakt rund 45.000 Haushalte tagelang vom Netz trennte, hat gezeigt, wie schnell kommunale Einrichtungen an ihre Grenzen kommen. Der Bundestag verabschiedete wenige Wochen sp\u00e4ter das KRITIS-Dachgesetz mit versch\u00e4rften Anforderungen an Betreiber kritischer Anlagen. Alexander L\u2019vov, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der <a href=\"https:\/\/www.qp-germany.com\/\">QP International GmbH<\/a> aus W\u00fcrzburg, deren Marke <a href=\"https:\/\/ksp-generatoren.de\/kommunen\/\">KSP Generatoren <\/a>Netzersatzanlagen an Feuerwehren, Hilfsorganisationen und Betreiber kritischer Infrastrukturen liefert, sieht den gr\u00f6\u00dften Nachholbedarf allerdings nicht bei der Technik. Im DEKOM-Interview beschreibt er, warum fehlende Lastaufnahmen, nicht vorbereitete Einspeisepunkte und l\u00fcckenhafte Nachtankkonzepte die eigentlichen Schwachstellen sind \u2014 und welche Beschaffungswege auch bei knappen Haushalten funktionieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>Herr L\u2019vov, Wasserwerke, Kl\u00e4rwerke, Feuerwachen, Pflegeheime, Notunterk\u00fcnfte \u2013 die Liste kommunaler Geb\u00e4ude und Anlagen, die bei einem Stromausfall funktionieren m\u00fcssen, ist lang. Wo erleben Sie den gr\u00f6\u00dften Nachholbedarf, wenn eine Kommune zum ersten Mal eine Bestandsaufnahme macht?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Alexander L\u2019vov:<\/strong> Selten beim Aggregat selbst, fast immer bei den Grundlagen davor. Viele Kommunen wissen nicht, welche Leistung ihre Geb\u00e4ude im Notbetrieb tats\u00e4chlich brauchen. Es gibt keine Lastaufnahme und keine Liste der Verbraucher, die weiterlaufen m\u00fcssen. Zweitens fehlt oft die Einspeisung: Das mobile Aggregat steht in der Fahrzeughalle, aber Feuerwehrhaus oder Turnhalle haben keinen Einspeisepunkt mit Netzumschaltung. Drittens der Kraftstoff: Der Tank reicht f\u00fcr einige Stunden, ein Nachtankkonzept f\u00fcr 72 Stunden gibt es nicht. Und viertens der Bestand: Anlagen, die seit Jahren nicht gewartet und nie unter Last getestet wurden. Eine ehrliche Bestandsaufnahme beginnt mit diesen vier Punkten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>Das KRITIS-Dachgesetz verpflichtet Betreiber kritischer Infrastrukturen seit M\u00e4rz 2026 zu konkreten Resilienzma\u00dfnahmen. Ab welchen Schwellenwerten sind Kommunen betroffen, und welche Fristen laufen bereits?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Alexander L\u2019vov:<\/strong> Die Lage ist weniger eindeutig, als oft berichtet wird. Das Gesetz gilt seit dem 17. M\u00e4rz 2026. Welche Anlagen als kritisch gelten, legt aber erst eine Rechtsverordnung fest. Ein Entwurf liegt seit Mai vor, in Kraft ist sie noch nicht (Stand Anfang Oktober 2026). Bis dahin besteht nach Auskunft des Bundesamts f\u00fcr Bev\u00f6lkerungsschutz und Katastrophenhilfe keine Registrierungspflicht, es laufen also noch keine Fristen. Als Regelschwellenwert nennt das Gesetz 500.000 versorgte Einwohner. Betroffen sind damit vor allem gro\u00dfe Versorger, etwa in den Bereichen Energie, Wasser, Abwasser, Abfallentsorgung und Gesundheit. Sobald eine Anlage als kritisch eingestuft ist, gilt: drei Monate bis zur Registrierung, neun Monate nach der Registrierung die erste Risikoanalyse, zehn Monate nach der Registrierung Resilienzplan und Ma\u00dfnahmen. Dazu geh\u00f6rt in der Praxis fast immer eine gesicherte Notstromversorgung. Die meisten Kommunen liegen unter dem Schwellenwert. Aus der Verantwortung sind sie damit nicht: Sie ergibt sich aus dem Katastrophenschutzrecht der L\u00e4nder und aus der Daseinsvorsorge. Mein Rat ist deshalb, nicht auf die Verordnung zu warten. Die verbindliche Einordnung im Einzelfall geh\u00f6rt allerdings zum Juristen, nicht zum Lieferanten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>Ein Kl\u00e4rwerk braucht unter Umst\u00e4nden ein Vielfaches der Leistung eines Rathauses. Nach welchen Kriterien sollte eine Kommune entscheiden, wo sie zuerst investiert \u2013 und welche Beschaffungswege von der Miete bis zur F\u00f6rdermittel-gest\u00fctzten Investition kommen f\u00fcr knappe Haushalte in Frage?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Alexander L\u2019vov:<\/strong> Ich w\u00fcrde drei Fragen in dieser Reihenfolge stellen. Wo sind bei einem Ausfall Menschen unmittelbar gef\u00e4hrdet? Wo entsteht nach wenigen Stunden ein Schaden, der sich kaum noch einfangen l\u00e4sst, etwa im Abwasser oder bei der Trinkwasserversorgung? Und was braucht die Kommune, um f\u00fchrungsf\u00e4hig zu bleiben, also Feuerwehrhaus, Krisenstab und Kommunikation? Daraus ergibt sich eine Priorit\u00e4tenliste, die sich auch im Rat vertreten l\u00e4sst. Bei den Beschaffungswegen gibt es mehr Spielraum, als viele denken. Ein mobiles Aggregat auf Anh\u00e4nger kann mehrere Liegenschaften abdecken, wenn dort Einspeisepunkte vorbereitet sind. Das ist oft der g\u00fcnstigste Einstieg. Wer den Investitionshaushalt schonen muss, kann Anlagen \u00fcber mehrere Jahre mieten. Ein solches Modell setzen wir derzeit mit einer nordrhein-westf\u00e4lischen Stadt um: zwei Anlagen, vier Jahre Laufzeit. F\u00fcr den Kauf kommen je nach Bundesland F\u00f6rderprogramme f\u00fcr Feuerwehr und Katastrophenschutz in Betracht. Die Richtlinien unterscheiden sich stark, deshalb lohnt der Blick in die Landesf\u00f6rderung vor der Haushaltsanmeldung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>Sie haben nach eigener Angabe mehr als 100 Kommunen beliefert. K\u00f6nnen Sie an einem konkreten Projektbeispiel zeigen, wie ein typischer Ablauf von der Bedarfsanalyse bis zur einsatzf\u00e4higen Anlage aussieht \u2013 und wie lange eine Kommune realistisch einplanen sollte?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Alexander L\u2019vov:<\/strong> Wir haben mehr als 100 Kommunen mit Ausr\u00fcstung f\u00fcr den Bev\u00f6lkerungs- und Katastrophenschutz beliefert. Seit einigen Jahren liegt unser Schwerpunkt vorwiegend auf der Notstromversorgung. Ein typisches Beispiel ist die Kl\u00e4ranlage einer Stadt in Nordrhein-Westfalen. Dort haben wir ein mobiles 60-kVA-Aggregat auf Tandemanh\u00e4nger geliefert, ausgelegt f\u00fcr Inselbetrieb und Netzparallelbetrieb, und das Betriebspersonal bei der \u00dcbergabe eingewiesen. Der Ablauf ist fast immer derselbe: Begehung und Lastermittlung, Entscheidung zwischen station\u00e4r und mobil, Leistungsbeschreibung und Vergabe. Nach dem Zuschlag folgen technische Kl\u00e4rung, Fertigung, Lieferung, Inbetriebnahme mit Lastprobelauf und Einweisung. Realistisch sollte eine Kommune von der ersten Begehung bis zur einsatzf\u00e4higen Anlage neun bis zw\u00f6lf Monate einplanen, bei Sonderausf\u00fchrungen eher mehr. Den gr\u00f6\u00dften Anteil hat die Fertigung: Standardger\u00e4te sind deutlich schneller verf\u00fcgbar, Sonderanfertigungen nach Leistungsverzeichnis brauchen allein rund f\u00fcnf bis sechs Monate. Wer die Anlage im Winter 2027\/28 einsatzbereit haben will, sollte die Mittel jetzt f\u00fcr den Haushalt 2027 anmelden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>Viele Kommunen verf\u00fcgen weder \u00fcber eigenes elektrotechnisches Fachpersonal noch \u00fcber Erfahrung mit Vergabeverfahren f\u00fcr Notstromaggregate. Welche Unterst\u00fctzung brauchen Verwaltungen typischerweise, um von der ersten Idee bis zur ausschreibungsf\u00e4higen Beschaffung zu kommen?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Alexander L\u2019vov:<\/strong> Meist vier Dinge. Erstens eine belastbare Lastermittlung: Was muss im Notbetrieb laufen und was nicht? Zweitens die Grundsatzentscheidung zwischen station\u00e4r und mobil, mit Aufstellort, Einspeisung und Kraftstoffvorrat. Drittens eine Kostensch\u00e4tzung, mit der die Verwaltung Mittel anmelden und F\u00f6rderm\u00f6glichkeiten pr\u00fcfen kann. Viertens eine produktneutrale Leistungsbeschreibung, die trotzdem das Richtige fordert: einschl\u00e4gige Normen, Abnahme mit Lastprobelauf, Wartung \u00fcber mehrere Jahre. Bei den ersten drei Punkten unterst\u00fctzen wir Kommunen im Rahmen der Markterkundung. Die Leistungsbeschreibung selbst geh\u00f6rt in die Hand der Vergabestelle oder eines unabh\u00e4ngigen Fachplaners. Mein Rat: Wartung und Einweisung gleich mit ausschreiben. Ein Aggregat, das nach drei Jahren nicht anspringt, hilft niemandem. (DEKOM, 26.10.2026) <a href=\"https:\/\/www.qp-germany.com\/deutsch\/unternehmensbereiche\/energie--und-notstromloesungen\/\">Mehr Infos hier\u2026<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><u>Zur Person<\/u><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Alexander L\u2019vov ist Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der QP International GmbH mit Sitz in W\u00fcrzburg. Das Unternehmen liefert unter der Marke KSP Generatoren Netzersatzanlagen an Kommunen, Feuerwehren, Hilfsorganisationen und Betreiber kritischer Infrastrukturen und begleitet Projekte von der Bedarfsermittlung \u00fcber Lieferung und Inbetriebnahme bis zur Wartung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn das Stromnetz gro\u00dffl\u00e4chig ausf\u00e4llt, stehen Wasserversorgung, Abwasserentsorgung, Feuerwehr und Pflege vor derselben Frage: Wie lange h\u00e4lt der Betrieb ohne Netz? Der Berliner Blackout Anfang Januar 2026, bei dem ein Sabotageakt rund 45.000 Haushalte tagelang vom Netz trennte, hat gezeigt, wie schnell kommunale Einrichtungen an ihre Grenzen kommen. 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