{"id":9677,"date":"2026-11-02T12:03:38","date_gmt":"2026-11-02T10:03:38","guid":{"rendered":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/?p=9677"},"modified":"2026-11-02T12:03:38","modified_gmt":"2026-11-02T10:03:38","slug":"arbeit-zum-mindestlohn-bringt-623-euro-mehr-als-grundsicherung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/arbeit-zum-mindestlohn-bringt-623-euro-mehr-als-grundsicherung\/","title":{"rendered":"Arbeit zum Mindestlohn bringt 623 Euro mehr als Grundsicherung"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ob sich Arbeit gegen\u00fcber dem Bezug von Sozialleistungen rechnet, geh\u00f6rt seit Jahren zu den am heftigsten gef\u00fchrten sozialpolitischen Debatten. Mit der Umstellung vom B\u00fcrgergeld auf die neue Grundsicherung und den geplanten Einschnitten bei Wohngeld und Unterhaltsvorschuss hat die Diskussion neue Nahrung bekommen. Das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-B\u00f6ckler-Stiftung legt dazu jetzt Modellrechnungen f\u00fcr alle 401 Landkreise und kreisfreien St\u00e4dte vor. In jeder Region und f\u00fcr jeden untersuchten Haushaltstyp haben Vollzeitbesch\u00e4ftigte zum Mindestlohn danach deutlich mehr Geld zur Verf\u00fcgung als vergleichbare Haushalte in der Grundsicherung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine alleinstehende Person mit 38,19 Wochenstunden zum Mindestlohn kommt nach den Berechnungen auf 2.300,31 Euro brutto und rund 1.653 Euro netto. In der Grundsicherung stehen ihr der Regelsatz von 563 Euro und im Bundesdurchschnitt 467,37 Euro f\u00fcr die Kosten der Unterkunft zu, zusammen rund 1.030 Euro. Der Abstand betr\u00e4gt damit rund 623 Euro im Monat. F\u00fcr Alleinerziehende mit einem f\u00fcnfj\u00e4hrigen Kind errechnen die Autoren Dr. Eric Seils und Dr. Helge Emmler rund 757 Euro, f\u00fcr ein Ehepaar mit zwei Kindern und einem Alleinverdiener rund 749 Euro. Gegen\u00fcber der Vorg\u00e4ngerstudie aus dem Jahr 2025 ist der Abstand leicht gewachsen, weil die Regels\u00e4tze 2026 nicht erh\u00f6ht wurden, w\u00e4hrend der Mindestlohn gestiegen ist. In Ostdeutschland einschlie\u00dflich Berlin f\u00e4llt der Vorsprung etwas gr\u00f6\u00dfer aus als im Westen, bei Alleinstehenden mit rund 664 gegen\u00fcber 609 Euro.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00dcber die regionale Spreizung entscheiden die Wohnkosten. Am geringsten ist der Abstand f\u00fcr Alleinstehende im Landkreis M\u00fcnchen mit rund 404 Euro und in der Stadt M\u00fcnchen mit rund 466 Euro. Auch in Frankfurt, Hamburg, K\u00f6ln und Stuttgart liegt er mit 515 bis 524 Euro deutlich unter dem Mittel. Am gr\u00f6\u00dften ist er in Nordhausen mit rund 755 Euro und im Vogtlandkreis mit rund 749 Euro. Ausschlaggebend sind die anerkannten Kosten der Unterkunft nach dem SGB II, die auf teuren Wohnungsm\u00e4rkten h\u00f6her liegen. Die Tabellen im Anhang der Studie weisen den Lohnabstand f\u00fcr jeden Kreis und jede kreisfreie Stadt aus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Kreise und kreisfreie St\u00e4dte ber\u00fchrt die Studie zwei Haushaltsposten unmittelbar. Als kommunale Tr\u00e4ger sind sie an den Kosten der Unterkunft in der Grundsicherung beteiligt. Das Wohngeld tragen dagegen Bund und L\u00e4nder je zur H\u00e4lfte. Das WSI weist darauf hin, dass gerade Wohngeld und Unterhaltsvorschuss Erwerbst\u00e4tige mit niedrigem Einkommen aus der Grundsicherung heraushalten. Wer diese Leistungen verliert, kann in die Grundsicherung wechseln und erh\u00f6ht dort die Kosten der Unterkunft. Eine K\u00fcrzung beim Wohngeld entlastet damit die Haushalte von Bund und L\u00e4ndern und kann zugleich die Sozialhaushalte vor Ort belasten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Genau an diesen Leistungen setzt die Bundesregierung an. Der Gesetzentwurf zum Wohngeld soll nach ihren eigenen Angaben zur Konsolidierung des Bundeshaushalts beitragen, beim Unterhaltsvorschuss plant sie eine k\u00fcrzere Bezugsdauer. Der Bundesrat hat zur Wohngeldreform eine Stellungnahme mit \u00c4nderungsforderungen beschlossen, das Vorhaben aber nicht gestoppt. Die Jugend- und Familienministerkonferenz hatte bereits im Mai eine belastbare Kostenprognose zum Unterhaltsvorschuss verlangt, bevor die Reform verabschiedet wird. Ob die Einschnitte Kreise und St\u00e4dte entlasten oder Kosten lediglich verschieben, ist unter Fachleuten umstritten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">WSI-Direktorin Prof. Dr. Bettina Kohlrausch h\u00e4lt die geplanten Einschnitte f\u00fcr den falschen Weg. Nach ihren Worten verringern sie den Lohnabstand vor allem bei Familien. Den kleineren Abstand in teuren Regionen f\u00fchrt sie auf hohe Mieten zur\u00fcck und sieht dort dringenden politischen Handlungsbedarf. Zur Einordnung erg\u00e4nzt sie, dass Vollzeitarbeit zum Mindestlohn relativ selten sei und die meisten Vollzeitbesch\u00e4ftigten deutlich mehr verdienten. (DEKOM, 02.11.26\/WSI, 27.10.26) <a href=\"https:\/\/www.wsi.de\/de\/pressemitteilungen-15991-einkommen-bei-arbeit-zum-mindestlohn-oder-grundsicherung-79858.htm\">PM WSI hier\u2026<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ob sich Arbeit gegen\u00fcber dem Bezug von Sozialleistungen rechnet, geh\u00f6rt seit Jahren zu den am heftigsten gef\u00fchrten sozialpolitischen Debatten. Mit der Umstellung vom B\u00fcrgergeld auf die neue Grundsicherung und den geplanten Einschnitten bei Wohngeld und Unterhaltsvorschuss hat die Diskussion neue Nahrung bekommen. 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