{"id":9683,"date":"2026-11-02T12:05:57","date_gmt":"2026-11-02T10:05:57","guid":{"rendered":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/?p=9683"},"modified":"2026-11-02T12:05:57","modified_gmt":"2026-11-02T10:05:57","slug":"kommunale-bruecken-erhalten-statt-abreissen-carbonbeton-verstaerkung-als-sanierungsoption","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/infosilo.info\/dekom\/kommunale-bruecken-erhalten-statt-abreissen-carbonbeton-verstaerkung-als-sanierungsoption\/","title":{"rendered":"Kommunale Br\u00fccken erhalten statt abrei\u00dfen \u2014 Carbonbeton-Verst\u00e4rkung als Sanierungsoption"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Einsturz der Carolabr\u00fccke in Dresden am 11. September 2024 hat die Debatte \u00fcber den Zustand der Br\u00fcckeninfrastruktur in Deutschland ver\u00e4ndert. Eine Spannbetonbr\u00fccke aus den 1960er Jahren brach ohne Vorank\u00fcndigung zusammen, mitten in der Nacht, wenige Minuten nachdem die letzte Stra\u00dfenbahn passiert hatte. Die Ursache war eine wasserstoffinduzierte Spannungsrisskorrosion am Spannstahl \u2014 ein Schadensbild, das bei den regelm\u00e4\u00dfigen Bauwerkspr\u00fcfungen nicht erkannt worden war. Im Mai 2025 stellte ein unabh\u00e4ngiger Gutachter fest, dass die Sch\u00e4den so massiv in der Bausubstanz lagen, dass keiner der verbliebenen Br\u00fcckenz\u00fcge h\u00e4tte weiter betrieben werden k\u00f6nnen. Alle drei m\u00fcssen abgerissen werden, ein Neubau soll 2028 beginnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Prof. Dr.-Ing. Alexander Schumann, einer der Entwickler des CARBOrefit-Verfahrens zur Verst\u00e4rkung von Stahlbeton mit Carbonbeton, hat den Verfall buchst\u00e4blich vor der Haust\u00fcr erlebt. Sein Unternehmen, die Dresdner CARBOCON GmbH, h\u00e4lt die bauaufsichtliche Zulassung f\u00fcr das Verfahren und begleitet Projekte von der Planung bis zur Ausf\u00fchrung. Schumann verweist auf die Expertinnen und Experten, die den Einsturz untersuchen, benennt aber ein strukturelles Problem: Die Br\u00fccken in Deutschland seien \u00fcber viele Jahre vernachl\u00e4ssigt worden. \u201eWir haben zu wenig gewartet und zu wenig instandgesetzt\u201d, sagt Schumann. Wenn notwendige Ma\u00dfnahmen immer weiter aufgeschoben w\u00fcrden, sei eine Instandsetzung irgendwann nicht mehr m\u00f6glich \u2014 \u201eund genau dann wird es am Ende auch sehr, sehr teuer.\u201d<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Dimension des Problems ist bekannt. Rund 67.000 Stra\u00dfenbr\u00fccken liegen in kommunaler Verantwortung, dazu kommen Fu\u00df- und Radwegbr\u00fccken. Laut einer Erhebung des Deutschen Instituts f\u00fcr Urbanistik befindet sich etwa jede zweite davon in keinem guten Zustand. Anders als beim Bund, der im Rahmen seines Br\u00fcckenmodernisierungsprogramms j\u00e4hrlich 400 Autobahnbr\u00fccken sanieren will, gibt es f\u00fcr die kommunale Ebene kein vergleichbares Bundesprogramm. Die Organisation Transport &amp; Environment bezifferte den Investitionsbedarf f\u00fcr Br\u00fccken auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene zusammen auf bis zu 100 Milliarden Euro.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">CARBOrefit setzt an einem bestimmten Punkt in dieser Kette an. Das Verfahren eignet sich nach Angaben der CARBOCON besonders f\u00fcr Stahlbetonbr\u00fccken mit Spannweiten zwischen 10 und 20 Metern und schlaffer Bewehrung, also ohne Vorspannung. Wenn die Bewehrung im Laufe der Zeit korrodiert sei und dadurch Tragf\u00e4higkeitsdefizite entstanden seien, k\u00f6nne Carbonbeton diese Defizite mit minimalen Schichtdicken von rund 20 Millimetern auffangen, ohne das Eigengewicht der Br\u00fccke wesentlich zu erh\u00f6hen, erl\u00e4utert Schumann. Die Br\u00fccke lasse sich dadurch schnell wieder freigeben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dass das Verfahren auch bei gr\u00f6\u00dferen Bauwerken funktioniert, zeigt das Pilotprojekt an der Autobahnbr\u00fccke A648 \u00fcber die Nidda bei Frankfurt am Main. Die rund 70 Meter lange Spannbetonbr\u00fccke aus dem Jahr 1971 war die erste Carbonbeton-Verst\u00e4rkung an einem Bauwerk des Bundesfernstra\u00dfennetzes. Der dort verbaute Spannstahl galt als spannungsrisskorrosionsgef\u00e4hrdet \u2014 derselbe Schadensmechanismus, der auch die Carolabr\u00fccke zu Fall brachte. Die Br\u00fccke wurde 2020 teilweise mit bis zu sechs Lagen Carbonbeton verst\u00e4rkt, auf der Ober- und Unterseite. Der entscheidende Vorteil sei gewesen, so Schumann, dass sich die dreieinhalb Zentimeter Verst\u00e4rkungsschicht auf der Oberseite in den Fahrbahnaufbau integrieren lie\u00dfen, ohne die Stra\u00dfengradiente anzuheben. Das habe die Ma\u00dfnahme wirtschaftlicher gemacht als eine konventionelle L\u00f6sung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr kommunale Tiefbau\u00e4mter stellt sich die Frage, wie lange eine Br\u00fccke f\u00fcr eine solche Ma\u00dfnahme gesperrt werden muss. Schumann nennt als Regelwert 14 bis 28 Tage, bis die Verst\u00e4rkung statisch freigegeben werden k\u00f6nne. In einzelnen F\u00e4llen sei eine Freigabe bereits nach sieben Tagen m\u00f6glich gewesen. Bei einem konventionellen Ersatzneubau sind Umleitungen \u00fcber Jahre die Regel.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Wirtschaftlichkeit h\u00e4ngt vom Einzelfall ab. Schumann berichtet, dass bei einer Ma\u00dfnahme bis zu 25 Prozent der Kosten gegen\u00fcber einer konventionellen L\u00f6sung eingespart worden seien. Es gebe aber auch Projekte, bei denen eine Carbonbetonl\u00f6sung teurer ausfalle. \u201eEs w\u00e4re unseri\u00f6s, das pauschal zu beantworten\u201d, r\u00e4umt der CARBOCON-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer ein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Hindernis f\u00fcr die breitere Anwendung bleibt das Genehmigungsverfahren. Das CARBOrefit-Verfahren verf\u00fcgt seit 2014 \u00fcber eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung des Deutschen Instituts f\u00fcr Bautechnik, zuletzt erneuert im Mai 2026. F\u00fcr den Einsatz an Br\u00fccken ist allerdings weiterhin eine Zustimmung im Einzelfall erforderlich. Das bedeute zun\u00e4chst einen gewissen Mehraufwand, erl\u00e4utert Schumann, doch wenn die richtigen Projektpartner fr\u00fchzeitig eingebunden seien, lasse sich das Genehmigungsverfahren parallel zur Planung durchf\u00fchren \u2014 ohne relevante zeitliche Verz\u00f6gerung. Der Deutsche Ausschuss f\u00fcr Stahlbeton arbeite bereits an einer Richtlinie f\u00fcr das Verst\u00e4rken von Bauteilen mit Carbonbeton. Der Br\u00fcckenbereich sei darin zun\u00e4chst noch teilweise ausgeklammert und solle in einer der n\u00e4chsten Fassungen erg\u00e4nzt werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schumann betont, dass Carbonbeton kein Allheilmittel sei. Neben der Verst\u00e4rkung brauche es auch andere Verfahren und Monitoringl\u00f6sungen. Entscheidend sei die grunds\u00e4tzliche Erkenntnis, dass notwendige Ma\u00dfnahmen an Br\u00fccken nicht so lange aufgeschoben werden d\u00fcrften, bis eine Instandsetzung nicht mehr m\u00f6glich sei. \u201eWir wollen unsere Br\u00fccken erhalten und nicht abrei\u00dfen\u201d, fasst der CARBOCON-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer zusammen. \u201eWir wollen den bestehenden Wert der Bauwerke erhalten \u2014 und das m\u00f6glichst mit wirtschaftlichen und schnellen L\u00f6sungen.\u201d (DEKOM, 02.11.2026) <a href=\"https:\/\/www.carbocon.de\/\">Mehr Infos hier\u2026<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><u>\u00dcber CARBOCON<\/u><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die CARBOCON GmbH mit Sitz in Dresden entwickelt und vertreibt das bauaufsichtlich zugelassene CARBOrefit-Verfahren zur Verst\u00e4rkung von Stahlbeton mit Carbonbeton. Das Unternehmen begleitet Projekte von der Planung \u00fcber die Zulassung bis zur Ausf\u00fchrung und koordiniert ein Konsortium aus elf Partnern, das die bauaufsichtliche Zulassung weiterentwickelt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Einsturz der Carolabr\u00fccke in Dresden am 11. September 2024 hat die Debatte \u00fcber den Zustand der Br\u00fcckeninfrastruktur in Deutschland ver\u00e4ndert. Eine Spannbetonbr\u00fccke aus den 1960er Jahren brach ohne Vorank\u00fcndigung zusammen, mitten in der Nacht, wenige Minuten nachdem die letzte Stra\u00dfenbahn passiert hatte. 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