Rund 270 Gigawatt an Netzanschlussanträgen stauen sich derzeit bei den deutschen Übertragungsnetzbetreibern. Batteriespeicher, Solarparks und Ladeinfrastruktur brauchen einen Anschluss ans Stromnetz, den viele Netzbetreiber mit den vorhandenen Kapazitäten nicht mehr zeitnah bereitstellen können. Der Engpass trifft inzwischen auch die Verteilnetzebene, wo kommunale Stadtwerke die Last tragen.
Die Bundesregierung hat im Juli 2026 mit dem Netzpaket reagiert. Die neuen Paragrafen 17a bis 17f EnWG sollen das Anschlussverfahren standardisieren und das bisherige Windhundprinzip durch ein Priorisierungsverfahren nach Reifegrad ersetzen. Seit April 2026 setzen die vier Übertragungsnetzbetreiber das Reifegradverfahren bereits um. Die Bundesnetzagentur hatte zudem im März 2026 in einem Missbrauchsverfahren erstmals festgelegt, unter welchen Bedingungen ein Netzbetreiber den Anschluss von Großbatteriespeichern verweigern darf. Für kommunale Verteilnetzbetreiber bleibt das Kernproblem allerdings bestehen. Die Anschlussbegehren wachsen, der physische Netzausbau kommt nicht hinterher, und über die tatsächliche Auslastung gerade in der Mittel- und Niederspannung fehlt vielfach die Transparenz. Hinzu kommt, dass die Finanzierung größerer Infrastrukturmaßnahmen über Banken für Stadtwerke zunehmend schwieriger wird. Netzausbau ist damit nicht nur langsam, er ist auch als alleinige Strategie keine Selbstverständlichkeit mehr.
Das Frankfurter Software-Unternehmen VENIOS setzt hier an. Die Firma erstellt mit ihrer Plattform Venios.NET einen digitalen Zwilling des physikalischen Netzes und macht die Auslastung in Echtzeit sichtbar. Dr. Jonas Danzeisen, Geschäftsführer von VENIOS, arbeitet aktuell gemeinsam mit kommunalen Netzbetreibern aus dem eigenen Anwenderkreis an einem Verfahren auf Basis dynamischer Kapazitätskorridore — in der Branche spricht man zunehmend vom Flexiblen Netzanschlussvertrag (Flexible Connection Agreement, FCA). Die Netzkapazität sei begrenzt, das sei Fakt, sagt Danzeisen. Entscheidend sei aber, dass die Begrenzung dynamisch verlaufe. VENIOS wolle den Netzanschluss eines Speichers deshalb über die aktuelle Netzauslastung flexibel steuern. Der Speicherbetreiber erhalte einen Korridor, innerhalb dessen er vermarkten könne, während der Netzbetreiber die Betriebssicherheit behalte.
Technisch sei das anspruchsvoll, räumt Danzeisen ein. Das Ergebnis bringe aber beiden Seiten einen Vorteil. Offen sei derzeit die Finanzierung — wer die Kosten für das dynamische Kapazitätsmanagement trage, müsse sich noch klären. Wenn der Druck auf Netzanschlüsse weiter steige, werde sich auch das auflösen, so Danzeisen.
Für Stadtwerke, die als Verteilnetzbetreiber zwischen wachsenden Anschlussbegehren und begrenzten Netzkapazitäten stehen, ist der Ansatz eine Handlungsoption, die den physischen Netzausbau ergänzt oder dort ersetzt, wo dessen Finanzierung an Grenzen stößt. Die vorhandene Infrastruktur ließe sich über eine dynamische Auslastungssteuerung besser nutzen. VENIOS sendet die Steuerbefehle dabei über alle etablierten Netzleitsysteme auf Basis vorhandener Fernwirkeinrichtungen an die Anlagen — eine Festlegung auf einen einzelnen Leitsystemhersteller ist nicht erforderlich. (DEKOM, 28.09.2026) Mehr Infos hier…