Wärmewende im Schritttempo

Der deutsche Heizungsmarkt sendet 2025 widersprüchliche Signale. Während der fossile Bestand nur im Schneckentempo schrumpft, verzeichnet der Wärmepumpenabsatz den stärksten Zuwachs seit Jahren. Der Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks (ZIV) hat seine jährliche Bestandserhebung für 2025 veröffentlicht. Das Ergebnis ist ernüchternd: Rund 19,5 Millionen Heizungsanlagen — mehr als die Hälfte aller erfassten Wärmeerzeuger einschließlich Warmwasserheizer — betreiben fossile Energieträger. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Rückgang von lediglich zwei Prozent. Die Zahl der Ölheizkessel sank um rund drei Prozent auf 4,7 Millionen Anlagen, die Gasfeuerungsanlagen verringerten sich um 1,7 Prozent auf 14,8 Millionen. Besonders auffällig ist das Durchschnittsalter der verbleibenden Altanlagen: Über 86 Prozent der Ölheizungen ohne Brennwerttechnik und rund 66 Prozent der entsprechenden Gasheizungen sind älter als 20 Jahre. Das Modernisierungspotenzial ist damit nach wie vor erheblich — es wird nur nicht gehoben. Als Hauptursache identifiziert der ZIV die politische Unsicherheit des vergangenen Jahres. Der Regierungswechsel und die angekündigte Reform des Gebäudeenergiegesetzes haben Investitionsentscheidungen bei Gebäudeeigentümern systematisch aufgeschoben. Alexis Gula, Präsident des Bundesverbands, formuliert es vorsichtig: „Es bleibt abzuwarten, wie sich der GEG-Nachfolger, das Gebäudemodernisierungsgesetz, auf das laufende Jahr 2026 auswirkt.“ Das GModG hat mit dem Kabinettsbeschluss vom 13. Mai 2026 die erste parlamentarische Hürde genommen; die Verabschiedung noch vor der Sommerpause ist geplant. Einen gegenläufigen Trend meldet indes der Bundesverband Wärmepumpe (BWP): 2025 wurden rund 299.000 Heizungs-Wärmepumpen abgesetzt — ein Plus von 55 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit entfiel erstmals knapp die Hälfte aller in Deutschland verkauften Wärmeerzeuger auf Wärmepumpen. Rund 80 Prozent der Neugeräte wurden in Bestandsgebäuden installiert. Luft-Wasser-Geräte dominieren mit einem Marktanteil von 95 Prozent; zusätzlich wurden 49.500 Warmwasser-Wärmepumpen abgesetzt, ein Zuwachs von 20 Prozent. Maßgeblich war nach BWP-Einschätzung die KfW-Heizungsförderung: 2025 erteilte die KfW über 288.000 Förderzusagen allein für Wärmepumpen — ein Anstieg von 91 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Gesamtbestand schlägt sich der Absatzzuwachs gleichwohl noch kaum nieder — Bestandsveränderungen brauchen Jahre, bis sie statistisch sichtbar werden. Erschwerend kommt hinzu, dass der ZIV Wärmepumpen und Fernwärmeanschlüsse bislang nicht in seiner Erhebung erfasst. Der Verband setzt sich nach eigenen Angaben für eine Ausweitung der Datenerhebung ein. Das Gesamtbild zeigt eine Wärmewende im Ungleichgewicht: Der Markt für neue Heizsysteme dreht sich, der Bestand bewegt sich kaum. Ob das GModG den nötigen Investitionsschub auslöst, wird sich im Laufe des Jahres 2026 zeigen. DEKOM, 27.05.2026

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