Die INGO-App macht das saarländische St. Ingbert mit rund 35.000 Einwohnern zum Vorbild für digitale Bürgernähe. Vieles, was Bürgerinnen und Bürger früher im Amtsblatt oder in der Lokalzeitung nachlasen, steht heute auf dem Smartphone. Wer wissen will, was in seiner Stadt läuft, erwartet die Antwort sofort und unabhängig von Öffnungszeiten. In St. Ingbert lässt sich das seit Ende Juni gut beobachten. Beim ersten Digitaltag der Stadt ging pünktlich um neun Uhr ein neuer KI-Chatbot auf der Website online, der Bürgerfragen rund um die Uhr beantwortet. Er ergänzt die INGO Stadt-App, die in der Stadt seit 2024 etabliert ist und als Vorbild für niedrigschwellige Bürgerkommunikation gilt. Die App bündelt, was die knapp 35.000 Einwohner über ihre Stadt wissen müssen. Sie meldet per Push, was gerade wichtig ist, von der Straßensperrung bis zum Stadtfest, führt einen interaktiven Stadtplan und einen Mängelmelder für das kaputte Schlagloch, macht Vereine und die Geschäfte vor Ort mit ihren Öffnungszeiten und Aktionen sichtbar, listet offene Stellen der Stadt und warnt bei Starkregen. Anderswo sind diese Dinge auf mehrere Kanäle verteilt, in St. Ingbert stehen sie an einer Stelle. Der Druck auf die Rathäuser wächst von mehreren Seiten. Ältere Menschen brauchen einen Zugang, der ohne Anmeldung und in klarer Sprache funktioniert, Jüngere setzen ein gutes mobiles Angebot ohnehin voraus. Rathäuser suchen zugleich händeringend Personal und werben es über dieselben Kanäle an, über die sie ihre Bürgerschaft informieren. Und seit den Krisen der vergangenen Jahre zählt ein verlässlicher Draht zu den Menschen zur Notfallvorsorge. Für die Stadt zahlt sich das im Alltag aus. Die App läuft auf ihrem eigenen Kanal, ohne Umweg über Facebook oder fremde Plattformen, und die Stadt behält die Hoheit über Inhalte und Reichweite. So ist sie unter eigenem Namen präsent und nicht eine Stimme unter vielen in einem fremden Netzwerk. Und weil sich niemand anmelden oder Daten hinterlegen muss, ist die Hürde niedrig, die App überhaupt zu öffnen. Rund 9.000 Menschen nutzen die App, bei etwa 35.000 Einwohnern, eine Quote, von der viele größere Städte mit deutlich mehr Geld nur träumen. Dass so viele mitmachen, liegt auch an der einfachen Bedienung und daran, dass der örtliche Handel früh eingebunden wurde. Wer die App öffnet, sieht neben den amtlichen Informationen, welche Geschäfte in der Nachbarschaft gerade welche Angebote und Aktionen haben. Für die Betriebe entsteht eine Reichweite, die sich ein einzelner Laden mit einer eigenen App nie aufbauen könnte, und für die Stadt ein Argument mehr, dass sich der Einkauf vor Ort lohnt. Entwickelt hat St. Ingbert die App mit der Saarbrücker fortiter GmbH, finanziert wurde sie über das Zukunftsprogramm ZIZ zur Stärkung der Innenstädte. Ausgezeichnet wurde der Ansatz bereits zweimal, mit dem Preis des Bundeswettbewerbs „Kommunal.Digital.Genial“ in der Kategorie guter Praxis und mit dem Sonderpreis für innovatives Stadtmarketing des Marketing Clubs Saar. Chatbot und WhatsApp-Kanal ergänzen die App um weitere Zugänge und erreichen noch einmal andere Nutzer. Das Beispiel St. Ingbert macht deutlich, dass es dafür weder eine bestimmte Größe noch ein großes Budget braucht. Entscheidend ist der Wille, ein einfaches und zugängliches Angebot zu schaffen. (DEKOM, 17.08.2026) Mehr Infos hier…