Papierfabrik Hainsberg in Freital — dritte Insolvenz seit 2017

Im Februar 2026 musste die Papierfabrik Hainsberg zum dritten Mal nach 2017 und 2023 Insolvenz anmelden. Rund 85 Arbeitsplätze hängen an einer Fortführung des 1838 gegründeten Betriebs, der bis zuletzt Recyclingpapiere für den Druck- und Verpackungsmarkt produzierte. Freitals Oberbürgermeister Uwe Rumberg beschreibt die Lage als dramatisch — und die Papierfabrik als symptomatisch für einen ganzen Standort. „Die aktuellen wirtschaftlichen Entwicklungen erfüllen mich mit großer Sorge und Betroffenheit — aber auch Wut“, sagt Rumberg.

Die Papierfabrik sei nicht der einzige Freitaler Betrieb in Schwierigkeiten. Das Ziegelwerk Eder habe geschlossen, das Glaswerk sei gerade noch von Investoren aus der Insolvenz gerettet worden, das Edelstahlwerk kämpfe. Alle diese Unternehmen sicherten hunderte Arbeitsplätze, auch bei Zulieferern und im Handwerk, und seien bedeutende Gewerbesteuerzahler. „Wenn diese Betriebe ins Wanken geraten oder gar schließen, hat das gravierende Folgen für die betroffenen Familien und für die Kaufkraft vor Ort“, so der Oberbürgermeister. Auf die Frage, welche Möglichkeiten einer Stadt in dieser Lage bleiben, antwortet Rumberg nüchtern: „Letztlich kaum welche.“ Man könne Gespräche führen, zwischen Partnern vernetzen und versuchen, an den Rahmenbedingungen etwas zu ändern. Beihilferechtliche Grenzen setzten dem kommunalen Handeln enge Grenzen. Die Ursachen der Krise verortet Rumberg jenseits des kommunalen Einflussbereichs. Energieintensive Industriebetriebe litten seit Jahren unter im internationalen Vergleich extrem hohen Strom- und Gaspreisen.

Hinzu kämen wachsende Bürokratie und langwierige Genehmigungsverfahren. „Während andere Wirtschaftsregionen mit gezielten Programmen und Investitionsanreizen arbeiten, geraten unsere Betriebe zunehmend ins Hintertreffen“, kritisiert er. Es dürfe nicht sein, dass mittelständisch geprägte Industriestandorte „die Zeche für eine Politik zahlen, die hohe Transformationsziele formuliert, aber die ökonomische Realität vieler Betriebe aus dem Blick verliert“. Klimaschutz und Nachhaltigkeit seien wichtige Ziele und im Vergleich zu 1989 in Sachsen bereits deutlich vorangekommen — sie müssten aber wirtschaftlich tragfähig und sozial ausgewogen gestaltet werden. Für das Areal der Papierfabrik gebe es erste Interessenten und Fortführungsszenarien, berichtet Rumberg.

Als Stadt habe man vor allem das Interesse, dass das Gelände nicht verfalle und wieder einer wirtschaftlichen Nutzung zugeführt werde. Der kommunale Einflussrahmen sei allerdings gering; entscheiden könne man vor allem dort, wo städtebauliche oder infrastrukturelle Belange berührt würden. Bundesweit rücken ehemalige Industriestandorte mit gewachsener Energieinfrastruktur derzeit in den Blick von Projektentwicklern — etwa für Batteriespeicher im Utility-Scale-Bereich. Seit der Privilegierung solcher Anlagen durch § 35 Abs. 1 Nr. 11 und 12 BauGB Ende 2025 und der Gewerbesteuer-Zuordnung, die 90 Prozent des Aufkommens in der Standortgemeinde belässt, werden Flächen mit vorhandenem Netzanschluss und geeigneter Flächenkulisse systematisch gesucht. Rumberg zeigt sich gegenüber solchen Optionen zurückhaltend. Bisher lägen keine Anfragen vor, man sei für Gespräche aber prinzipiell offen. „Das muss grundsätzlich die Privatwirtschaft regeln“, betont er.

Seinen Appell richtet der Oberbürgermeister an Freistaat, Bund und EU: Es brauche wettbewerbsfähige Energiepreise, konsequenten Bürokratieabbau, schnellere Genehmigungsverfahren und steuerliche Entlastungen. „Wer industrielle Wertschöpfung in Deutschland erhalten will, muss die Standortbedingungen spürbar verbessern“, fordert Rumberg. Es solle und müsse auch künftig noch Produkte „Made in Freital“ geben.  (DEKOM, 22.09.2026) Mehr Infos zum Standort Freital hier…

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