Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände und der Deutsche Gewerkschaftsbund haben am 22. September 2026 in Berlin ein gemeinsames Impulspapier vorgelegt. Darin verlangen die Sozialpartner, bis 2035 die Zahl junger Menschen ohne Basiskompetenzen, Schul- oder Berufsabschluss deutlich zu senken. Die Forderungen reichen vom beschleunigten Ausbau der Kindertagesbetreuung über einen Qualitätsrahmen für den Ganztag bis zur verbindlichen Vermittlung von KI-Kompetenzen entlang der gesamten Bildungskette. Für Städte und Gemeinden als Schulträger und Kita-Betreiber hat das Papier unmittelbare Relevanz. Die gemeinsame Bildungskonferenz von Arbeitgebern und Gewerkschaften baut auf einer Stellungnahme aus dem Jahr 2024 auf. Schon damals hatten BDA und DGB eine Bildungsoffensive mit messbaren Zielen und klarer Aufgabenverteilung zwischen Bund, Ländern und der kommunalen Ebene gefordert. Dass beide Seiten ihre Forderungen zwei Jahre später unverändert erneuern, lässt sich als Signal verstehen, wie wenig sich aus Sicht der Sozialpartner bewegt hat. Im Zentrum des Impulspapiers steht ein Bekenntnis zur allgemeinen Schulpflicht. BDA und DGB begrüßen den jüngsten Bundesratsbeschluss zur Bekräftigung der Schulpflicht und betonen, Bildungseinrichtungen seien unverzichtbare Orte gemeinsamen Lernens und demokratischer Wertebildung. Wer an der Schulpflicht rüttele, wolle, dass Kinder aus diesem Erfahrungsraum herausfielen, heißt es in dem Papier. Beim Thema Finanzierung dringen die Sozialpartner auf eine langfristige Strategie mit bedarfsgerechter Ausstattung. Die von Bund und Ländern vereinbarte „Roadmap“ für bessere Bildungsqualität müsse weiter konkretisiert und mit verbindlichen Meilensteinen versehen werden. Die Bildungssteuerung solle datenbasiert arbeiten, Handlungsbedarfe frühzeitig erkennen und Fortschritte transparent machen. Lehrkräfte sollen dabei nicht nur Datenempfänger sein, sondern die gewonnenen Erkenntnisse für die individuelle Förderung nutzen können. Für Schulträger und Jugendhilfeträger vor Ort besonders relevant sind die Passagen zur frühkindlichen Bildung und zum Ganztag. Trotz regional rückläufiger Geburtenzahlen bestehe insgesamt weiterhin ein hoher Bedarf an Kitaplätzen, konstatiert das Papier. Familien, die bislang keine Kita-Angebote nutzten, müssten gezielter erreicht, Zugangshürden abgebaut werden. Beim Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in Grundschulen fordern BDA und DGB einen gemeinsamen Qualitätsrahmen, tragfähige pädagogische Konzepte und ausreichend Fachkräfte. Ganztagsangebote ließen sich gut mit kulturellen und sportlichen Bildungsangeboten verknüpfen, auch erste Berufsbegegnungen seien dort sinnvoll integrierbar. Den Fachkräftemangel im Bildungssystem adressiert das Papier mit dem Ruf nach attraktiveren Arbeitsbedingungen, Entwicklungsperspektiven und einer längerfristigen Personalstrategie. Multiprofessionelle Teams sollen als fester Bestandteil der Qualitätsentwicklung ausgebaut werden. Gleichzeitig brauche es Entlastungsmaßnahmen, damit pädagogische Fachkräfte mehr Zeit für die unmittelbare Arbeit mit Kindern und Jugendlichen hätten. Breiten Raum nimmt die Digitalisierung ein. Der Digital Pakt 2.0 müsse jetzt in den Ländern zügig umgesetzt werden, damit Schulen die notwendigen Mittel erhielten. KI-Kompetenzen sollen verbindlich in die Curricula aufgenommen werden. Die Sozialpartner betonen dabei, der KI-Einsatz müsse immer an pädagogischen Kriterien ausgerichtet bleiben und dürfe echte Fach- und Lehrkräfte nicht ersetzen. Auch die berufliche Orientierung und die beruflichen Schulen finden sich unter den zehn Forderungen. Jugendberufsagenturen sollen gestärkt werden und junge Menschen ohne Anschlussperspektive aktiv begleiten. Berufliche Schulen bräuchten eine moderne Ausstattung und ausreichend qualifizierte Lehrkräfte, um ihrer Rolle als Partner der dualen Ausbildung gerecht zu werden. Für Verwaltungsspitzen und Ratsmitglieder lohnt sich der Blick in das Impulspapier vor allem dort, wo es um die Einbindung der kommunalen Ebene geht. Die Sozialpartner fordern ausdrücklich, Städte und Gemeinden als „zentrale Akteure und Träger der lokalen Bildungslandschaft“ eng in die Umsetzung einzubeziehen. Ob beim Kita-Ausbau, beim Ganztag oder bei der digitalen Infrastruktur an Schulen — die im Papier skizzierten Vorhaben landen am Ende auf den Schreibtischen der Fachämter. (DEKOM, 22.09.2026) Gemeinsame Erklärung von BDA und DGB hier…