Wasserverluste im Netzbetrieb werden zur berichtspflichtigen Größe

Einer der trockensten Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnungen geht zu Ende. Dutzende Kommunen haben Entnahmeverbote erlassen und die Bevölkerung zum Wassersparen aufgerufen. Doch auch bei den Versorgern selbst steckt erhebliches Einsparpotenzial im laufenden Betrieb.

Ein Beispiel ist der Austausch von Armaturen und Hausanschlüssen im Trinkwassernetz. Nach dem herkömmlichen Verfahren wird dafür die Hauptleitung abgesperrt und der betroffene Abschnitt geleert. Die angeschlossenen Haushalte sind in dieser Zeit ohne Wasser. Nach dem Einbau der neuen Armatur wird die Leitung gespült, bis die Wasserqualität wieder stimmt. Erst dann geht sie zurück in den Normalbetrieb. Der gesamte Vorgang dauert vier bis fünf Stunden, findet häufig nachts statt, um die Versorgungsunterbrechung tagsüber zu vermeiden, und kostet neben dem Personal auch das abgelassene Wasser — vollständig aufbereitet, aber unwiederbringlich verloren. Pro Vorgang gehen nach Branchenangaben mehrere tausend Liter Trinkwasser auf diese Weise verloren.

Die ArmEx Solutions GmbH aus Norderstedt hat ein patentiertes Werkzeug entwickelt, das diesen Aufwand weitgehend beseitigt. Der sogenannte Armaturenwechsler tauscht die Armatur unter vollem Betriebsdruck, ohne dass die Leitung abgesperrt oder geleert werden muss. Der Wechsel selbst dauert Sekunden, eine Spülung danach entfällt. Die angeschlossenen Haushalte merken nichts, weil die Versorgung durchgehend stabil bleibt. Nach Angaben des Herstellers bleiben so je Vorgang bis zu 10.000 Liter aufbereitetes Trinkwasser im Netz. Die Hamburger Wasserwerke arbeiten seit mehreren Jahren mit dem Verfahren. Das Gerät ist mit Armaturen gängiger Hersteller kompatibel und funktioniert auf den üblichen Rohrmaterialien. Das Verfahren spart auch Zeit. Statt fünf Stunden Einsatz mit Nachtschicht und Anliegerinformation ist die Arbeit in Minuten erledigt und die Baugrube am selben Tag geschlossen. Das ist besonders dort spürbar, wo die Netze altern und die Zahl der Reparaturen steigt, während Fachpersonal fehlt.

Die Netzerneuerungsrate liegt in vielen Kommunen unter einem Prozent im Jahr — unter dem, was der DVGW für die Substanzerhaltung empfiehlt. Die Leitungen bleiben also länger im Betrieb, und der Instandhaltungsbedarf wächst. Das verlorene Wasser hat auch einen CO₂-Fußabdruck. Trinkwasser wird gewonnen, aufbereitet und über das Netz verteilt — jeder dieser Schritte verbraucht Energie. Nach Branchendaten liegt der Energieeinsatz in der deutschen Wasserversorgung bei rund 0,5 Kilowattstunden pro Kubikmeter. Wer bei einem einzigen Armaturenwechsel bis zu 10.000 Liter im Netz hält, spart also auch die Energie, die für Gewinnung, Aufbereitung und Transport dieses Wassers eingesetzt wurde. Über die Gesamtzahl der jährlich anfallenden Armaturen- und Hausanschlusswechsel summiert sich der Effekt.

Hinzu kommt ab 2028 ein regulatorischer Rahmen. Die EU-Trinkwasserrichtlinie 2020/2184 schreibt eine Bewertung der Netzverluste nach dem Infrastruktur-Wasserverlustindex ILI vor. Dieser Index vergleicht die tatsächlichen Verluste mit dem technisch Unvermeidbaren. Die Europäische Kommission legt bis Januar 2028 einen Schwellenwert fest; wer ihn überschreitet, muss binnen zwei Jahren einen Aktionsplan vorlegen.

Deutschland liegt laut BDEW mit rund sechs Prozent Verlust europaweit gut. Das Wasser, das bei Reparaturen abfließt, wird allerdings nach dem DVGW-Arbeitsblatt W 392 als betrieblicher Eigenverbrauch gebucht, nicht als Verlust. Es taucht in der Quote bisher nicht auf. Ob der kommende Schwellenwert diesen Eigenverbrauch einschließen wird, ist noch offen. Unabhängig davon ist er eine reale Kostengröße — und ein Glaubwürdigkeitsthema gegenüber einer Bevölkerung, die zum Wassersparen aufgerufen wird. (DEKOM, 14.09.2026) Mehr Infos hier…

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