Auf dem VKU-Stadtwerkekongress Mitte September in Berlin sind die Gewinner des STADTWERKE AWARDs 2026 ausgezeichnet worden. Den ersten Platz belegten die stadtWERKE Feuchtwangen mit einem regionalen Dekarbonisierungskonzept, gefolgt vom Konsortium aus der Stadtwerke Saarbrücken Netz AG und der greenventory GmbH für eine algorithmenbasierte Infrastrukturplanung. Platz drei ging an die Hamburger Energienetze GmbH für ihre quelloffene Netzdatenplattform „gridlytics“. Der Umbau der leitungsgebundenen Infrastruktur bindet in den meisten Versorgungsgebieten erhebliche Haushaltsmittel. Netze altern, gleichzeitig steigen die Anforderungen durch Wärmewende und Elektrifizierung. Für Stadtwerke und Netzbetreiber stellt sich damit die Frage, wie sich knappe Investitionsmittel so steuern lassen, dass sie den größten Effekt erzielen.
Die stadtWERKE Feuchtwangen verfolgen auf Basis einer Studie mit der Hochschule Ansbach und der Siemens AG das Ziel, die Strom- und Wärmeversorgung der Region bis 2035 weitgehend zu dekarbonisieren. Das Konzept verbindet PV-Freiflächenanlagen mit einer Gesamtleistung von 24 MW und einen Großbatteriespeicher mit gesicherten Flächen für 21 Windkraftanlagen und einem Elektrolyseur mit Abwärmenutzung. Das Projekt zeige, wie auch im ländlichen Raum regionale Dekarbonisierung gelingen könne, begründete die Jury ihre Entscheidung.
Mit dem zweiten Platz wurde ein Ansatz ausgezeichnet, der direkt an der kommunalen Investitionssteuerung ansetzt. Die Stadtwerke Saarbrücken Netz AG und die greenventory GmbH — ein Freiburger Unternehmen, das bereits mehr als 500 Städte, Gemeinden und Versorger bei Planungsaufgaben unterstützt hat — haben einen Digitalen Zwilling aufgebaut, der Bestands- und Planungsdaten aus dem Strom-, Gas- und Fernwärmenetz auf Straßenebene zusammenführt. Ein eigens entwickelter Algorithmus berechnet für jeden Straßenabschnitt einen Priorisierungsscore, der den Erneuerungsbedarf spartenübergreifend abbildet. Damit adressiert das Projekt ein Problem, das viele Netzbetreiber aus der Praxis kennen: Solange Strom-, Gas- und Wärmenetzplanung in getrennten Abteilungen stattfinden, werden Tiefbaumaßnahmen nicht aufeinander abgestimmt — mit der Folge, dass dieselben Straßen mehrfach aufgerissen werden. Weil in Saarbrücken zusätzlich die Ergebnisse der kommunalen Wärmeplanung direkt einfließen, lassen sich Netzrückbau, Fernwärmeausbau und Stromnetzertüchtigung in einer gemeinsamen Investitionsreihenfolge abbilden. Die Jury hob die hohe Übertragbarkeit auf andere Netzbetreiber hervor.
Die Hamburger Energienetze GmbH belegte mit „gridlytics“ den dritten Platz. Das Unternehmen hat eine vollständig quelloffene Netzdatenplattform im eigenen Rechenzentrum aufgebaut, die IT- und Betriebstechnologiedaten in einem einheitlichen Modell zusammenführt und für Prognosen, Alerting und Netzplanung nutzbar macht — ohne Abhängigkeit von proprietären Herstellersystemen.
VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing verwies darauf, dass es gerade bei knappen kommunalen Kassen Mut und Weitsicht brauche. Die diesjährigen Gewinner zeigten, wie wirtschaftliche Vernunft und struktureller Wandel zusammenwirken könnten. Trianel-Geschäftsführer Sven Becker, der den Award 2010 ins Leben gerufen hat, betonte die Bedeutung regionaler Projekte für das Gelingen der Energiewende. Der STADTWERKE AWARD wird seit 2010 jährlich vergeben, seit 2016 gemeinsam mit der VKU Akademie und der Zeitung für kommunale Wirtschaft auf dem VKU-Stadtwerkekongress. Ein Drittel des Endergebnisses fließt über eine Publikumsabstimmung ein, zwei Drittel entfallen auf die Expertenjury. (DEKOM, 22.09.2026) Mehr Infos zum Stadtwerke-Award 2026 hier…