BiB-Studie: Viele Alleinerziehende trotz Vollzeitjob armutsgefährdet
Eine Erwerbstätigkeit schützt nicht automatisch vor Armut. Zu diesem Befund kommt eine aktuelle Analyse des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB). Besonders drastisch zeigt sich dies bei Alleinerziehenden: Obwohl diese Gruppe, insbesondere Frauen, überdurchschnittlich häufig in Vollzeit arbeitet, weisen sie und ihre Kinder das höchste Armutsrisiko aller Familienformen auf. Die Studie belegt zudem, dass diese finanzielle Enge direkte negative Auswirkungen auf das subjektive Erleben der eigenen Elternrolle hat. Die Auswertung auf Basis des Panels FREDA stellt die gängige Annahme auf die Probe, dass Arbeit der sicherste Weg aus der Armut ist. Zwar mindert Erwerbstätigkeit das Risiko generell, doch reicht das erzielte Einkommen in bestimmten Familienkonstellationen schlicht nicht aus, um eine Gefährdung zu vermeiden. Dr. Jan Brülle, Mitautor der Studie, betont, dass gerade bei Alleinerziehenden Maßnahmen zur Förderung der Erwerbstätigkeit und staatliche Transferleistungen „Hand in Hand gehen sollten“. Die Diskrepanz zwischen hohem Arbeitspensum und geringem finanziellen Spielraum erzeugt Stress, der im Familienalltag ankommt. Alleinerziehende, die ihre Lage subjektiv als arm empfinden, zweifeln deutlich häufiger daran, den Bedürfnissen ihrer Kinder gerecht zu werden. Während dieser Wert bei finanziell abgesicherten Ein-Eltern-Haushalten moderat bleibt, schnellt er bei jenen mit finanziellen Sorgen auf über 16 Prozent hoch. Für Kommunen weist die Studie auf ein strukturelles Problem hin: Erwerbstätigkeit kann nur dann zur Existenzsicherung beitragen, wenn die Betreuungsinfrastruktur funktioniert. Hier klafft jedoch eine Lücke zwischen Bedarf und Angebot. Rund 27 Prozent der Alleinerziehenden finden keinen Betreuungsplatz, obwohl sie einen Bedarf äußern. Bei armutsgefährdeten Familien liegt dieser Wert sogar bei 33 Prozent. Das BiB resümiert, dass Kinder per se kein Armutsrisiko darstellen, sondern die Familienform und die Rahmenbedingungen entscheidend sind. Die Daten legen nahe, dass kommunale Strategien zur Armutsprävention nicht isoliert auf den Arbeitsmarkt zielen dürfen, sondern zwingend den Ausbau der Betreuungsinfrastruktur und den Zugang zu Transferleistungen integrieren müssen. (BiB, 10.12.2025) Ganzer Artikel hier…
