Einkaufen ist nach Einschätzung des Handelsverbands Deutschland (HDE) der Hauptgrund für einen Innenstadtbesuch. Entsprechend genau verfolgen Rathäuser und Wirtschaftsförderungen, wie sich die Umsätze der Branche entwickeln. Die jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamtes fallen ernüchternd aus. Im September setzten die Einzelhändler preisbereinigt 2,0 Prozent weniger um als im August, nominal lag das Minus bei 1,5 Prozent. Gegenüber dem Vorjahresmonat ergibt sich real ein Rückgang von 2,3 Prozent, während der nominale Umsatz um 1,2 Prozent zulegte.
Der Rückgang zieht sich durch die Sortimente. Im Lebensmitteleinzelhandel sank der reale Umsatz binnen Monatsfrist um 1,4 Prozent, im Handel mit Nicht-Lebensmitteln um 2,4 Prozent. Dort liegt das Minus auch im Vorjahresvergleich bei real 2,8 Prozent. Der Internet- und Versandhandel verlor gegenüber August ebenfalls, übertraf den Vorjahresmonat aber real um 4,4 Prozent. Besonders deutlich zeigen sich die Preissprünge an den Tankstellen. Dort ging der reale Umsatz binnen Jahresfrist um 9,3 Prozent zurück, nominal stieg er um 16,2 Prozent. Die Kundschaft gab also deutlich mehr Geld aus und erhielt preisbereinigt weniger dafür.
Die schwachen Septemberzahlen fallen in einen Monat mit hoher Teuerung. Die Inflationsrate erreichte im September 3,3 Prozent und damit den höchsten Wert seit Dezember 2023. Energie kostete 14,9 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Als wesentliche Ursache für die teureren Kraftstoffe nennt Destatis-Präsidentin Ruth Brand den Iran-Krieg. Inzwischen entspannt sich die Lage etwas. Seit Oktober gilt eine befristete Senkung der Energiesteuer auf Kraftstoffe, und die Inflationsrate sank nach vorläufigen Zahlen auf 2,8 Prozent. Destatis weist zudem darauf hin, dass die Handelszahlen vorläufig sind. Mit dem Berichtsmonat September hat das Amt eine neue Stichprobe eingeführt, für die Ergebnisse seit Januar sind deshalb Revisionen möglich.
Für die Innenstädte verschärft sich damit ein Trend, der schon länger anhält. Der HDE rechnet für 2026 mit netto 4.900 Geschäften weniger, nach 4.500 im Vorjahr. Die Zahl der Geschäfte sinkt damit nach HDE-Berechnungen auf rund 296.600, vor zehn Jahren waren es noch etwa 366.800. Der durchschnittliche Leerstand an Geschäften in deutschen Innenstädten liegt nach einem Bericht des ZDF inzwischen bei 15 Prozent, vor der Corona-Pandemie waren es rund zehn Prozent. Ohne bessere Rahmenbedingungen erreichen nach der Warnung von HDE-Präsident Alexander von Preen „immer mehr Stadtzentren Kipppunkte“.
Der Verband appelliert an Immobilieneigentümer, sich auf umsatzorientierte Mieten einzulassen, und fordert vom Bund und von den Städten größere Anstrengungen für lebendige Zentren. Zu Jahresbeginn hatte der HDE für 2026 ein nominales Umsatzplus von zwei Prozent erwartet, preisbereinigt rund ein halbes Prozent. Ob die Branche dieses Ziel erreicht, entscheidet sich im Weihnachtsgeschäft. Die vorläufigen Oktoberzahlen veröffentlicht Destatis wie üblich rund 30 Tage nach Monatsende. (DEKOM/Destatis 02.11.2026) Destatis PM hier…