Stadt-Apps zwischen Abschaltung und Erfolg — St. Ingbert erreicht mit INGO jeden vierten Einwohner

Ob Busfahrplan oder Öffnungszeiten des Bürgerbüros – wer etwas über seinen Wohnort wissen will, greift zuerst zum Smartphone. Viele Städte haben deshalb in den vergangenen Jahren eigene Apps auf den Markt gebracht.

Derzeit häufen sich allerdings die Abschiede. Mühlacker im Enzkreis stellt seine Stadt-App ein, weil die Nutzerzahlen seit Monaten sinken und die Anwendung überwiegend auf die Homepage weiterleite. München hat seine „muenchen App“ im Sommer trotz knapp 220.000 Downloads abgeschaltet, der Betrieb sei zu aufwendig geworden, heißt es aus dem IT-Referat. Köln hatte sich schon zuvor von seiner Service-App getrennt.

Wie verbreitet City-Apps tatsächlich sind, hat das Beratungsunternehmen cima in seiner Deutschlandstudie City Apps untersucht. Demnach nutzen 27 Prozent der befragten Bürgerinnen und Bürger eine solche Anwendung. Wer sie installiert hat, bleibt allerdings dabei, 70 Prozent dieser Gruppe öffnen ihre App täglich oder mehrmals pro Woche.

Als zentrales Hindernis nennt die Studie die fehlende Bekanntheit. Viele Einwohner wissen schlicht nicht, ob es an ihrem Ort überhaupt eine App gibt, eine Pressemitteilung zum Start reiche deshalb nicht aus. Hinzu kommen Ansprüche an eine einfache Bedienung und den Umgang mit Daten. Zudem brauche der Betrieb dauerhaft Personal und Geld. Die Beispiele Köln und Mühlacker zeigen ein weiteres Problem. Eine App, die im Kern nur die Website wiederholt, kann sich auf Dauer kaum behaupten.

Dass es anders geht, zeigt St. Ingbert im Saarpfalz-Kreis. Die Stadt mit rund 36.000 Einwohnern kommt mit ihrer App INGO inzwischen auf rund 9.000 Nutzerinnen und Nutzer und erreicht damit rechnerisch etwa jeden vierten Einwohner. INGO startete im Frühjahr 2024, entwickelt mit dem Saarbrücker Anbieter fortiter und gefördert über das Programm „Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren“. Die App bündelt Nachrichten per Push-Mitteilung, Veranstaltungstermine, einen Stadtplan und Zugänge zu Online-Diensten des Rathauses. Eine Anmeldung ist nicht nötig.

Von einer bloßen Verlängerung der Website unterscheidet sich INGO vor allem durch die Einbindung der örtlichen Wirtschaft. Gewerbetreibende veröffentlichen Öffnungszeiten, Angebote, Gutscheine oder Stellenanzeigen, die Bandbreite reicht von der Buchhandlung bis zum Bestattungsunternehmen. Weil Händler und Betriebe ihre Einträge selbst pflegen, verteilt sich die Arbeit an den Inhalten auf viele Schultern. Die laufenden Kosten seien nach Darstellung des Anbieters gering, das Betriebsmodell sei darauf ausgelegt, dass die Pflege der Inhalte mit minimalem Aufwand gelingt.

Der vom Stadtnamen abgeleitete Name stiftet zusätzlich lokale Identität. Neue Betriebe stellt die Stadt regelmäßig in eigenen Meldungen vor, beim ersten städtischen Digitaltag gab es zudem Hilfe beim Einrichten.

Fachjurys haben das Konzept 2025 zweimal ausgezeichnet, beim Bundeswettbewerb „Kommunal.Digital.Genial“ und mit dem Sonderpreis „Innovatives Stadtmarketing“ beim Marketing Award Saar.

Das Münchner Beispiel zeigt, dass ein großer Funktionsumfang allein keine dauerhaft tragfähige App garantiert. In St. Ingbert tragen vor allem der lokale Handel und die beständige Ansprache durch die Stadt das Angebot. Mühlacker hat den Punkt der Abschaltung erreicht. St. Ingbert ist davon weit entfernt. (DEKOM, 02.11.2026) Mehr Infos hier…

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