DIHK: Gewerbesteuer wird zur Standortbremse

Deutschlands Städte und Gemeinden stehen finanziell unter Druck. Wie sich das auf die Steuerbelastung der örtlichen Wirtschaft auswirkt, zeigt die aktuelle DIHK-Hebesatzumfrage. Demnach haben 88 von 706 untersuchten Städten und Gemeinden mit mindestens 20.000 Einwohnern ihren Gewerbesteuer-Hebesatz angehoben. Nur fünf haben gesenkt. DIHK-Hauptgeschäftsführerin Helena Melnikov sieht darin ein wachsendes Standortrisiko und fordert strukturelle Reformen bei der Finanzausstattung.

Der einwohnergewichtete Bundesdurchschnitt der Gewerbesteuer-Hebesätze ist von 439 auf 441 Prozent gestiegen. 613 der untersuchten Städte und Gemeinden halten ihren Hebesatz stabil. Das Verhältnis zwischen Anhebungen und Senkungen fällt jedoch deutlich aus. Auf jede Senkung kommen rechnerisch knapp 18 Anhebungen.

Die regionalen Unterschiede bleiben erheblich. Die Spannweite reicht von 250 Prozent in Monheim am Rhein und Leverkusen bis zu 580 Prozent in Oberhausen und Mülheim an der Ruhr — eine Differenz von 330 Hebesatzpunkten. Nordrhein-Westfalen weist mit einem einwohnergewichteten Durchschnitt von 476 Prozent weiterhin die höchste Belastung unter den Flächenländern auf. 40 der 214 dort untersuchten Städte und Gemeinden haben ihren Hebesatz erhöht. An der Spitze stehen Oberhausen und Mülheim an der Ruhr mit jeweils 580 Prozent, gefolgt von Erftstadt mit 565, Elsdorf mit 555 und Kerpen mit 550 Prozent. Die stärksten Einzelanhebungen verzeichnen Hückelhoven mit 53 Punkten und Kerpen mit 50 Punkten.

Den stärksten Anstieg des Landesdurchschnitts weist Sachsen-Anhalt mit einem Plus von fünf Punkten auf 427 Prozent auf. Es folgen Hessen mit vier und Baden-Württemberg mit drei Punkten. Bundesweit erhebt rund ein Drittel der erfassten Städte und Gemeinden einen Hebesatz unter 400 Prozent. Zugleich liegen 217 von ihnen — knapp 31 Prozent — bei mindestens 450 Prozent. Hohe Hebesätze konzentrieren sich dabei auf bevölkerungsreiche Städte.

Die Gewerbesteuer entwickle sich zur „stillen Standortbremse“, warnt Melnikov. Sie verweist auf die Folgen für mittelständische Betriebe, die Investitionen überwiegend aus eigenen Gewinnen finanzierten. Für viele Familienbetriebe entscheide der Hebesatz darüber, ob die nächste Maschine angeschafft oder der nächste Ausbildungsplatz geschaffen werden könne. Hohe Hebesätze seien ein Standortsignal, das bei Ansiedlungsentscheidungen zunehmend Gewicht bekomme.

Die angespannte Finanzlage vieler Städte und Gemeinden sieht die DIHK-Hauptgeschäftsführerin durchaus als Ursache. Steigende Sozialausgaben und höhere Personal- und Sachkosten träfen auf enge Spielräume. Das kommunale Finanzierungsdefizit habe 2025 bei mehr als 31 Milliarden Euro gelegen. Dennoch dürften die Finanzprobleme nicht auf die örtlichen Betriebe abgewälzt werden. Höhere Gewerbesteuern schwächten die wirtschaftliche Entwicklung und gefährdeten langfristig auch die Steuerbasis.

Melnikov fordert strukturelle Reformen. Bund und Länder müssten die Städte und Gemeinden aufgabengerecht und dauerhaft ausstatten. Neue Aufgaben dürften nur mit gesicherter Finanzierung übertragen werden. Zugleich gehörten bestehende Standards auf den Prüfstand. Die Vereinbarung von Bund, Ländern und Gemeinden, bei neuen Aufgaben ab Oktober eine engere Konnexität einzuhalten, sei ein wichtiger Schritt. Die strukturellen Probleme bei bestehenden Aufgaben und ihrer Finanzierung seien damit aber noch nicht gelöst. Auch der Steuergesetzgeber müsse handeln. Der Anrechnungsfaktor der Gewerbesteuer auf die Einkommensteuer solle steigen. Wo Hebesätze über 422 Prozent hinausgingen, greife die neutrale Anrechnung auf Unternehmensebene nicht mehr voll, so dass Personenunternehmen zusätzlich belastet würden. (DIHK, 05.10.2026) PM DIHK hier…

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