Der Bundestag hat die Reform der Notfallversorgung verabschiedet. Doch ob die neuen Strukturen in der Praxis funktionieren, ist umstritten. Der Hausärzteverband Sachsen-Anhalt hat sich in einem offenen Brief an Bundeskanzler Friedrich Merz gewandt und davor gewarnt, dass die Personalfrage ungeklärt sei. „Neue Strukturen schaffen keine zusätzlichen Ärzte — sie verteilen lediglich die ohnehin knappe Arztarbeitszeit neu”, schreibt Verbandsvorsitzender Torsten Kudela.
Die Reform sieht vor, an Krankenhäusern sogenannte integrierte Notfallzentren einzurichten. Dort sollen Patientinnen und Patienten nach einer Ersteinschätzung den weiteren Weg gewiesen bekommen — etwa in die Sprechstunde einer Kooperationspraxis. Zusätzlich soll rund um die Uhr eine telefonische oder videounterstützte Versorgung für Akutfälle zur Verfügung stehen, bei Bedarf auch vor Ort. Ziel ist es, die Notaufnahmen der Krankenhäuser zu entlasten.
Die Kritik an diesem Ansatz kommt aus der gesamten Ärzteschaft und reicht bis in die ersten konkreten Konsequenzen. Die KV Saarland hat bereits angekündigt, Bereitschaftsdienstpraxen infrage zu stellen, weil das Personal dafür fehle. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung spricht von einem eklatanten Widerspruch, neue Parallelstrukturen aufzubauen, während der ambulanten Versorgung gleichzeitig Mittel gekürzt werden. Auch der Bundesvorstand des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes um Nicola Buhlinger-Göpfarth und Markus Blumenthal-Beier hatte nach der Verabschiedung im Bundestag betont, die Notaufnahmen sollten auf dem Rücken der niedergelassenen Ärzte entlastet werden. Das könne nicht gut gehen.
Für Städte und Gemeinden, die Krankenhäuser betreiben oder an ihnen beteiligt sind, stellt sich die Frage, wie die integrierten Notfallzentren besetzt werden sollen, wenn niedergelassene Ärzte bereits jetzt an der Belastungsgrenze arbeiten. Die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalt hatte bereits im April gewarnt, Doppelstrukturen bänden Personal, das schlicht nicht vorhanden sei. Im offenen Brief an den Kanzler vermisst der Hausärzteverband Sachsen-Anhalt zudem die versprochene Entlastung von Bürokratie und den Willen des Gesetzgebers, die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung zu stärken. (DEKOM, 26.10.2026) Mehr Infos hier…