IW-Studie rechnet bis 2040 mit 4,3 Millionen weniger Erwerbsfähigen

Die Bevölkerung in Deutschland schrumpft schneller als noch vor zwei Jahren erwartet. Nach der jüngsten Prognose des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) leben im Jahr 2040 nur noch rund 81,6 Millionen Menschen in Deutschland — ein Rückgang um fast zwei Millionen gegenüber 2025. Auf dem Arbeitsmarkt fällt der Einschnitt noch deutlicher aus. Die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter sinkt laut IW bis 2040 um 4,3 Millionen oder 7,7 Prozent auf rund 50,8 Millionen. Noch 2024 ging das Institut von einer wachsenden Bevölkerung aus. Die korrigierte Prognose geht auf sinkende Zuwanderungszahlen und anhaltend niedrige Geburtenraten zurück.

Auf dieser Grundlage hat das IW das sogenannte Potenzialwachstum bis 2040 vorausgeschätzt — also die Wirtschaftsleistung, die bei normaler Auslastung aller Produktionsfaktoren erreichbar ist. Das Ergebnis fällt gemischt aus. Im Durchschnitt liegt das jährliche Potenzialwachstum bei 0,7 Prozent. Nach einer Phase der Quasi-Stagnation zwischen 2020 und 2025 nimmt die Dynamik jedoch schrittweise zu und erreicht zwischen 2036 und 2040 gut ein Prozent pro Jahr. Getragen wird dieser Anstieg vor allem durch höhere Investitionen und technischen Fortschritt. Der Faktor Arbeit bremst die Entwicklung bis Mitte der 2030er Jahre, entfaltet danach aber keine negative Wirkung mehr.

Beim Arbeitsvolumen — also der Gesamtzahl aller geleisteten Arbeitsstunden — hat das IW zwei Szenarien berechnet. Im pessimistischen Fall, in dem sich an der Pro-Kopf-Arbeitszeit nichts ändert, sinkt es bis 2040 um gut sieben Prozent auf rund 57 Milliarden Stunden. Im günstigeren Szenario, das eine weiter steigende Erwerbsbeteiligung vor allem der über 55-Jährigen unterstellt, fällt der Rückgang mit 3,4 Prozent auf 59,3 Milliarden Stunden deutlich geringer aus.

Für Städte und Gemeinden haben die Zahlen unmittelbare Bedeutung. Der öffentliche Dienst gehört zu den Branchen, die der Fachkräftemangel bereits heute am stärksten trifft. Gleichzeitig sind es gerade die personalintensiven Bereiche — Kitas, Bauhöfe, Ordnungsämter —, in denen Automatisierung nur begrenzt helfen kann. IW-Experte Holger Schäfer bringt die Lage auf den Punkt. Deutschland befinde sich nicht vor dem demografischen Wandel, es stecke bereits mittendrin. In wenigen Jahren fehlten der Wirtschaft die Arbeitskräfte, um Wohlstand zu erarbeiten und den Sozialstaat in seiner heutigen Form zu tragen.

Die IW-Studie sieht die Politik in der Pflicht, Anreize für eine höhere Pro-Kopf-Arbeitszeit zu setzen und die Zuwanderung von Fachkräften gezielt zu erleichtern. Zudem seien Investitionen in Digitalisierung und Automatisierung nötig, um den sinkenden Arbeitskräfteeinsatz zumindest teilweise zu kompensieren. Ob sich das günstigere Szenario realisiert, hängt nach Einschätzung des Instituts wesentlich davon ab, ob die Strukturreformen tatsächlich umgesetzt werden. (DEKOM, 26.10.2026) PM IWD hier…

Druckausgabe

Abonnieren oder Kündigen