Deutschlands Innenstädte ziehen wieder mehr Menschen an. Die aktuelle CIMA-Citystudie 2026/27 sieht nach Jahren rückläufiger Besucherzahlen und wachsender Leerstände erstmals wieder eine spürbare Trendwende. Mehr als 5.000 Bundesbürger wurden im Mai und Juni 2026 repräsentativ befragt. Knapp zwei Drittel von ihnen nannten den Einkauf als wichtigsten Besuchsgrund, gefolgt von Bummeln und Gastronomie. Die Studie entstand in Kooperation mit dem Handelsverband Deutschland (HDE) und der Bundesvereinigung City- und Stadtmarketing Deutschland (bcsd).
HDE-Präsident Alexander von Preen warnte trotz der positiven Zahlen davor, die Hände in den Schoß zu legen. Der Einzelhandel brauche Verbündete vor Ort, Leerstände seien konsequent zu bekämpfen. Die bcsd-Bundesvorsitzende Karmen Strahonja verwies auf das Potenzial koordinierter Kooperation zwischen Handel, Gastronomie und Erlebnisangeboten, verbunden mit einer Verbesserung der Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum.
An dieser Schnittstelle setzen kommunale Stadt-Apps an. Sie können lokale Einzelhändler und Gastronomen für Bürgerinnen und Bürger sichtbar machen, Aktionen und Coupon-Mechaniken abbilden und zugleich als Informationskanal der Verwaltung dienen — ohne dass die Kommune eigene IT-Kapazitäten aufbauen muss. Die Funktion geht über klassische Stadtmarketing-Websites hinaus, weil eine App auf dem Smartphone der Nutzer dauerhaft präsent bleibt und einen niedrigschwelligen Zugang zu Angeboten vor Ort schafft. Das kann die Identifikation mit dem Stadtzentrum stärken und Kaufkraft binden, die sonst in den Onlinehandel abfließt.
Ein konkretes Beispiel liefert die Stadt St. Ingbert im Saarland. Die Mittelstadt mit rund 35.000 Einwohnern setzt seit einigen Jahren die INGO Stadt-App ein, entwickelt von der Saarbrücker fortiter GmbH. Die App läuft auf einer DSGVO-konformen Plattform, erfordert keine Registrierung und kann anonym genutzt werden. Der lokale Einzelhandel und die Gastronomie sind eingebunden. Rund 9.000 Nutzer verzeichnet die Anwendung laut Angaben des Betreibers — das entspricht einer Durchdringung von etwa 26 Prozent der Einwohnerschaft. Für eine kommunale App ist das ein beachtlicher Wert.
Die Anwendung wurde beim Bundeswettbewerb „Kommunal.Digital.Genial“ in der Kategorie „Beispiele guter Praxis“ ausgezeichnet und erhielt 2025 den Sonderpreis „Innovatives Stadtmarketing“ bei den Marketing Awards Saar. St. Ingberts Verwaltung setzt auf einen breit angelegten digitalen Kontakt zur Stadtgesellschaft — neben der App auch über einen KI-gestützten Chatbot auf der Website und einen WhatsApp-Kanal.
Die Studienergebnisse der CIMA zeigen, dass die Attraktivierung von Innenstädten ein breites Maßnahmenbündel erfordert, in dem bauliche Aufwertung, Leerstandsbekämpfung, Einzelhandelsförderung und digitale Kommunikation ineinandergreifen. Die bcsd spricht von einem strategischen Gesamtkonzept, das alle Akteure vor Ort einbinden muss — und genau hier etablieren sich Stadt-Apps als verbindendes Element zwischen Verwaltung, Handel und Bürgerschaft.
Die Erfahrungen aus St. Ingbert zeigen, dass die Akzeptanz in der Bevölkerung hoch ist, wenn die technische Hürde niedrig bleibt und der praktische Nutzen im Alltag spürbar ist. (DEKOM, 28.09.2026) PM HDE hier…