Die Tiefbaukosten sind zum zentralen Kostentreiber im Glasfaserausbau geworden. Laut der aktuellen BREKO-Marktanalyse 2026, erstmals erstellt von IW Consult, berichten drei von vier Netzbetreibern von steigenden Tiefbaukosten. Erstmals seit zehn Jahren führte der Kostenanstieg bei den Telekom-Wettbewerbern zu leicht rückläufigen Investitionszahlen. Der Tiefbau macht nach Branchendaten rund 75 Prozent der Gesamtkosten eines FTTH-Anschlusses aus. Bei klassischer Grabung liegen die Meterkosten zwischen 70 und 120 Euro. Bei der Verlegung nach DIN 18220 kommt auf rund 45 Euro pro Meter.
Der Gesetzgeber hat auf den Kostendruck reagiert. Das TKG erlaubt seit der Modernisierung 2021 den Einsatz alternativer Verlegeverfahren. Die DIN 18220 gilt seit Juli 2023 als anerkannte Regel der Technik und schafft damit den verbindlichen Rahmen für Trenching-, Fräs- und Pflugverfahren. Das TKG-Änderungsgesetz 2026 soll Genehmigungsverfahren weiter vereinfachen und verkürzt die Zustimmungsfrist von drei auf zwei Monate. In der Praxis allerdings lehnen Straßenbauverwaltungen Verlegeverfahren nach DIN 18220 vielerorts noch ab — aus Sorge um den Substanzerhalt ihrer Straßen.
Dr.-Ing. Richard Bosl, Leiter der Bau- und Gebietsabteilung am Staatlichen Bauamt Regensburg und Mitverfasser der DIN 18220, hatte im DEKOM-Interview vom 22. September dieser Haltung widersprochen. Die Norm definiere einen technischen Standard, der eine Zustimmung ermöglichen solle. Entscheidend seien die Planungsqualität, die Wahl des geeigneten Legekorridors und der Nachweis normgerechter Verfüllbaustoffe. Im Landkreis Cham, wo ein kommunaler Eigenbetrieb seit 2019 ein Glasfasernetz baut, werde mit Zustimmung seines Bauamts gepflügt und gefräst. Anträge im Zweifel abzulehnen, so Bosl, sollte es nicht geben.
Wie normkonforme Verlegung nach DIN 18220 im laufenden Betrieb aussieht, zeigt derzeit ein Projekt im österreichischen Burgenland.
Zwischen Kobersdorf und Weppersdorf wird seit Anfang September ein rund 16 Kilometer langer Abschnitt des Landesbackbones gebaut. Auf knapp 13 Kilometern kommt dabei das LAYJET-Bankettfräsverfahren zum Einsatz — ein Verfahren, das im österreichischen Normenwerk seit 2020 und in der deutschen DIN 18220 seit 2023 verankert ist.
Laut Betreiberangaben sind mit der Frästechnik bis zu 1.500 Meter am Tag möglich. Im aktuellen Abschnitt werden durchschnittlich rund 700 Meter verlegt. Die Trasse wird während der Arbeiten per GPS vermessen und unmittelbar lagerichtig dokumentiert. Die restlichen drei Kilometer entstehen konventionell durch Grabung, Bohr- und Pflugverfahren. Das LAYJET-Verfahren wurde von Straßenbauexperten gemeinsam mit der TU Wien und der TU Graz entwickelt und von der TU München geprüft. Nach Unternehmensangaben sind in Österreich und Deutschland bereits mehrere tausend Kilometer damit verlegt worden.
Bosl hatte im Interview auf ein Kernproblem der Gewährleistung hingewiesen. Schäden nach Jahren eindeutig der Telekommunikationslinie zuzuordnen sei für den Straßenbaulastträger aufwändig, weil auch der übrige Straßenbestand häufig Mängel aufweise. Eine Bestandsdokumentation, wie sie DIN 18220 vorsehe, liege daher im Interesse aller Beteiligten. Im Burgenland gehört die GPS-Echtzeit-Dokumentation der Trasse zum Standardverfahren — ein Ansatz, der exakt der Empfehlung der Norm entspricht.
Wirtschaftslandesrat Leonhard Schneemann unterstrich bei einem Ortstermin in Kobersdorf, der Glasfaserausbau erfordere neben Investitionen auch den Einsatz moderner Verlegetechnologien, um Beeinträchtigungen für Straßen und Verkehr gering zu halten.
Steigende Tiefbaukosten und knapper werdende Investitionsmittel machen einen effizienteren Glasfaserausbau zur wirtschaftlichen Notwendigkeit. Das Burgenland-Beispiel zeigt, was in Deutschland vielerorts noch auf Vorbehalte stößt. Normkonforme Fräsverlegung im Straßenbankett als Regelbetrieb, abgesichert durch wissenschaftliche Begleitung und laufende Dokumentation. (DEKOM, 28.09.2026) Mehr Infos zu Layjet hier…