Netz33: Startschuss für Deutschlands erstes resilientes Glasfaser-Backbone

Deutschland hinkt beim Glasfaserausbau international nach wie vor hinterher — und selbst dort, wo Leitungen verlegt sind, fehlt das, was ein modernes digitales Rückgrat ausmacht: echte Resilienz. Das bestehende Netz bündelt den Datenverkehr in wenigen Knotenpunkten. Ein gezielter Angriff an einer einzigen Stelle kann Hunderte Behörden, Versorger und Notfalldienste gleichzeitig treffen. Die Ereignisse der jüngsten Zeit haben das belegt: Im November 2024 wurden Glasfaserkabel in der Ostsee zwischen Deutschland, Finnland, Litauen und Schweden durchtrennt, Anfang 2026 legte ein Angriff auf eine Berliner Kabelbrücke weiträumig Festnetz- und Mobilfunkverbindungen lahm. Hybride Bedrohungen gegen Infrastruktur sind keine theoretische Gefahr mehr. Ende April hat die Niedax Group im brandenburgischen Oehna mit dem Bau einer 130 Kilometer langen Glasfaser-Teststrecke entlang bestehender Schienenkorridore begonnen — erster Baustein eines geplanten bundesweiten Backbone-Netzes mit 33.000 Kilometern Länge, über 10.000 Zugangspunkten und mehr als 300 Ringstrukturen. Das Gesamtinvestitionsvolumen beläuft sich auf zehn Milliarden Euro, vollständig privat finanziert ohne staatliche Förderung. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder war beim Spatenstich vor Ort. Was das Konzept von bisherigen Glasfaservorhaben unterscheidet, ist seine Architektur. Schienenkorridore sind dauerhaft überwacht, eingezäunt und haben eine klare Eigentumsstruktur — Sabotage, Erdarbeiten Dritter oder unautorisierte Zugriffe lassen sich dort deutlich besser unterbinden als auf öffentlichen Wegen. Die Teststrecke zwischen Jüterbog, Falkenberg an der Elster und Lutherstadt Wittenberge ist zudem keine reine Baumaßnahme, sondern eine Erprobungsumgebung unter realen Betriebsbedingungen, in der Interessenten ihre spezifischen Anwendungen auch unter simulierten Angriffs- und Sabotage-Szenarien testen können. Zum Einsatz kommen Glasfasern des Herstellers Corning, die langfristige Skalierbarkeit und ein breites Spektrum an Anwendungsszenarien ermöglichen. Das im Januar 2026 vom Bundestag beschlossene KRITIS-Dachgesetz verpflichtet Betreiber kritischer Infrastrukturen erstmals zu sektorenübergreifenden Resilienzmaßnahmen, Risikoanalysen und Meldepflichten — mit Umsetzungsfrist bis zum 17. Juli 2026, danach drohen Bußgelder. Für Kommunen ist das Gesetz besonders relevant, weil viele der betroffenen Bereiche direkt in kommunaler Verantwortung liegen: Wasserversorgung, Abfallentsorgung, Verwaltungsleistungen. Das Netz-33-Projekt ist in diesem regulatorischen Rahmen konzipiert und erfüllt die Anforderungen von NIS2 und KRITIS-Dachgesetz by Design. Für Kommunen und kommunale Unternehmen ergibt sich daraus eine doppelte Relevanz. Als potenzielle Nutzer eines hochvermaschten, ausfallsicheren Backbone-Netzes, das auch im Krisenfall funktionstüchtig bleibt — und als Akteure, die unter dem KRITIS-Dachgesetz selbst nachweisen müssen, dass ihre Infrastruktur dem Stand der Technik entspricht. Ob das Projekt seinen ambitionierten Zeitplan hält und tatsächlich ein bundesweit geschlossenes Netz entsteht, wird sich zeigen. Der Spatenstich in Oehna ist ein erster, konkreter Schritt. (DEKOM/Netz33, 27.04.2026) Ganzer Artikel hier…

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