Digitale Bürgerbeteiligung ist in ostdeutschen Kommunen stärker verbreitet als im Westen. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Erfolgsfaktoren lokaler E-Partizipation“ (ErLE), für die erstmals bundesweit alle rund 10.700 Städte und Gemeinden befragt wurden. Rund 22 Prozent der Kommunen beteiligten sich an der Erhebung, die von einem Forschungskonsortium der Technischen Universität Dresden sowie der Universitäten Düsseldorf, Leipzig und Koblenz durchgeführt und von der Mercator-Stiftung gefördert wurde. Die Auswertung zeigt, dass ostdeutsche Kommunen digitale Beteiligungsangebote signifikant häufiger einsetzen als westdeutsche. Dieser Unterschied lässt sich nach Angaben der Forscher nicht allein durch Faktoren wie Einwohnerzahl, Steuerkraft, Breitbandversorgung oder demografische Entwicklungen erklären. Besonders ausgeprägt ist der Effekt bei Klein- und Mittelstädten. Eine mögliche Erklärung sehen die Wissenschaftler in den Unterstützungsangeboten der Länder. So können rund 31 Prozent der ostdeutschen Kommunen auf zentrale Beteiligungsportale ihrer Länder zurückgreifen. In Westdeutschland liegt dieser Anteil bei lediglich zehn Prozent. Gerade für kleinere Kommunen könnten solche Plattformen eine wichtige Einstiegshilfe darstellen. Bei der technischen Umsetzung setzen die Verwaltungen überwiegend auf pragmatische Lösungen. Am häufigsten kommen Kontaktformulare, Umfragetools, Videokonferenzen und soziale Medien zum Einsatz. Fast die Hälfte der Kommunen nutzt inzwischen auch umfangreichere Beteiligungsportale. Anspruchsvollere Technologien wie digitale Zwillinge, interaktive Stelen oder Anwendungen aus dem Bereich Augmented und Virtual Reality spielen dagegen bislang nur eine untergeordnete Rolle. Auch Künstliche Intelligenz wird derzeit noch vergleichsweise selten eingesetzt. Nach den Ergebnissen der Studie nutzen neun Prozent der Kommunen KI bereits für Beteiligungsangebote, knapp ein Drittel plant entsprechende Anwendungen für die Zukunft. Im Vordergrund stehen dabei Aufgaben wie die Erstellung von Texten und Bildern sowie automatische Übersetzungen. Künftig könnten KI-Anwendungen nach Einschätzung der Forscher auch bei der Auswertung und Zusammenfassung von Bürgerbeiträgen oder bei der Moderation digitaler Beteiligungsprozesse eine größere Rolle spielen. Die Studienautoren kommen zu dem Schluss, dass digitale Bürgerbeteiligung nicht zwangsläufig hohe finanzielle Ressourcen voraussetzt. Entscheidend seien vielmehr geeignete Rahmenbedingungen und niedrigschwellige technische Lösungen. Gleichzeitig stelle der zunehmende Einsatz von KI neue Anforderungen an die kommunalen Verwaltungen und werfe Fragen nach dem Einfluss algorithmischer Systeme auf demokratische Prozesse auf. (DEKOM/ÖFIT, 08.06.2026) Mehr Infos hier…