In mehreren deutschen Städten und Regionen laufen derzeit Pilotprojekte für autonome Fahrzeuge im Nahverkehr. Parallel dazu baut die Branche an gemeinsamen Standards, die den Schritt vom Testbetrieb zum Regeleinsatz ermöglichen sollen.
Der Gedanke ist nicht neu, aber er gewinnt an Tempo. In Hamburg erproben die Hamburger Hochbahn und MOIA seit diesem Jahr erstmals autonome On-Demand-Shuttles mit Fahrgästen an Bord. Im Projekt ALIKE sind bis zu 20 Fahrzeuge in einem rund 37 Quadratkilometer großen Gebiet zwischen Stadtpark und Elbe unterwegs, darunter der vollelektrische HOLON urban und der Volkswagen ID.Buzz AD. Das Bundesverkehrsministerium fördert das Vorhaben mit 26 Millionen Euro. Sicherheitspersonal fährt bei allen Fahrten mit. In Monheim am Rhein war von 2020 bis 2025 mit dem „Altstadtstromer“ ein frühes Pilotprojekt auf einer festen Linie in Betrieb, in Nürnberg fährt seit 2008 Deutschlands erste fahrerlose U-Bahn.
Das Problem ist bisher, dass die einzelnen Projekte weitgehend in geschlossenen Systemen arbeiten. Fahrzeuge, Leitstellen und Buchungssoftware verschiedener Hersteller lassen sich nicht ohne Weiteres miteinander verbinden. Den entstandenen Flickenteppich soll das Branchenprojekt MILA.mobility auflösen, das am 21. September in Berlin offiziell in die Entwicklungsphase gestartet ist. 30 Partner aus Verkehrsunternehmen, Industrie und Wissenschaft arbeiten unter Konsortialführung der Leipziger Verkehrsbetriebe an einer offenen, herstellerneutralen Plattform. Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt fördert das Vorhaben mit rund 33,8 Millionen Euro bei einem Gesamtvolumen von 57 Millionen Euro. In fünf Testfeldern — Leipzig, Hannover, München, Ludwigslust-Parchim und Rhein-Main — soll unter realen Bedingungen erprobt werden, ob Fahrzeuge und Betriebssysteme verschiedener Anbieter verlässlich zusammenarbeiten.
Genau in diesen Rahmen fügt sich KIRA+ ein. Der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV), die Deutsche Bahn und der Fahrzeughersteller HOLON starten im Rhein-Main-Gebiet ein neues Projekt für autonomen On-Demand-Verkehr. Erste Fahrten zum Einlesen der Betriebsgebiete sind für 2027 in Teilen von Darmstadt und im Kreis Offenbach geplant. KIRA+ knüpft an das Vorgängerprojekt KIRA an, das bis Ende 2026 läuft. Im Mittelpunkt stehen der autonome Fahrzeugbetrieb, bedarfsgesteuerte Buchungen und die Frage, ob sich der Einsatz auf größere Gebiete ausweiten lässt. Während des Testbetriebs bleibt Sicherheitspersonal an Bord.
Eingesetzt wird der barrierefreie HOLON urban mit autonomer Fahrtechnologie von Mobileye. Das Fahrzeug bietet im Testbetrieb fünf Sitzplätze und einen Rollstuhlplatz. Fahrgäste buchen ihre Fahrt über eine App von ioki, die Anfragen koordiniert und Routen bündelt. Bereits vorhandene Leitstellen und Buchungsprozesse aus KIRA sollen weiterentwickelt werden, damit autonome Fahrzeuge sich in den laufenden Betrieb einfügen.
Als regionale Partner sind die Kreisverkehrsgesellschaft Offenbach und HEAG mobilo beteiligt. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt begleitet das Vorhaben wissenschaftlich, der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen ist als Branchenpartner eingebunden.
Zusätzlichen Rückenwind gibt ein neuer Förderaufruf des Bundesverkehrsministeriums. Bis zu 14 Millionen Euro stehen für den Praxiseinsatz autonomer Fahrzeuge im ÖPNV und Güterverkehr bereit, mit Schwerpunkt auf Modellregionen. Anträge können noch bis zum 15. Oktober über das Förderportal easy-Online eingereicht werden. (DEKOM/RMV, 28.08.2026) PM RMV hier…