Mehr als 630.000 Stellen im öffentlichen Dienst sind derzeit unbesetzt. Die Nachwuchsgewinnung gehört zu den drängendsten Aufgaben für Verwaltungen auf allen Ebenen. Ein Modell aus dem Saarland zeigt, wie berufliche Schulen gezielt dazu beitragen können, junge Menschen für den Staatsdienst zu gewinnen — vorausgesetzt, die Lehrkräfte haben die Kapazität dafür.
Am Kaufmännischen Berufsbildungszentrum (KBBZ) in Saarlouis läuft seit kurzem eine Fachoberschule für Verwaltung sowie Steuer und Finanzen. Sie verzahnt schulische Ausbildung eng mit der öffentlichen Verwaltung und Unternehmen und eröffnet Absolventen einen direkten Zugang in den öffentlichen Sektor. Andreas Hemsing, Zweiter Vorsitzender des Deutschen Beamtenbundes (dbb), hat sich bei einem Besuch vor Ort ein Bild von dem Ansatz gemacht. Projekte, die gut ausgebildete Fachkräfte in den Staatsdienst brächten, seien angesichts rückläufiger Bewerberzahlen und zunehmender Orientierungslosigkeit bei jungen Menschen „Gold wert”, so Hemsing.
Allerdings stoßen die Lehrkräfte an beruflichen Schulen an ihre Grenzen. Hemsing kritisiert, dass immer mehr Aufgaben auf sie abgeladen werden, die mit dem eigentlichen Lehrauftrag wenig zu tun haben. Lehrkräfte fungierten zunehmend als Jugendpsychologen und Lebensberater, gleichzeitig wachse die bürokratische Belastung. Einen Ausgleich für die Mehrarbeit gebe es nicht — weder durch ein höheres Einkommen noch durch zusätzliche Arbeitszeit.
Erschwerend kommt hinzu, dass ankommende Schülerinnen und Schüler verstärkt Bildungslücken mitbringen. Das betrifft laut dbb vor allem Sprachkenntnisse und grundlegende Kompetenzen in Mathematik und Problemlösung. Lehrkräfte müssen diese Defizite auffangen, bevor der eigentliche Fachunterricht beginnen kann.
Für Städte und Gemeinden, die als Schulträger berufliche Schulen betreiben, verbinden sich mit der Debatte zwei Handlungsfelder. Zum einen bieten Kooperationsmodelle wie in Saarlouis eine Möglichkeit, den eigenen Fachkräftebedarf in der Verwaltung frühzeitig zu sichern. Zum anderen erfordert die Überlastung der Lehrkräfte Investitionen in Unterstützungsstrukturen — von psychosozialer Betreuung über Verwaltungsentlastung bis hin zu Schutzkonzepten gegen die steigende Gewalt an Schulen, die der dbb ebenfalls thematisiert. (DEKOM, 26.10.2026/dbb, 23.10.2006) PM dbb hier…