Schülerbeförderung gehört zu den pflichtigen Ausgaben, die in jedem Kreishaushalt stehen und über die selten gesprochen wird. Im aktuellen Entwurf des Dresdner Haushalts stehen dafür knapp zehn Millionen Euro. Wie viele Schülerinnen und Schüler auf eine organisierte Beförderung angewiesen sind, weil der Schulweg zu Fuß nicht zumutbar ist, erfasst kaum eine zentrale amtliche Statistik. Stadt.Land.Netz geht auf Basis der eigenen Daten von rund der Hälfte aus. Der größte Teil davon nutzt den regulären ÖPNV und braucht eine Fahrkarte. Zwischen einer Million und 1,5 Millionen Kinder fahren täglich mit Fahrdiensten, weil es keinen ÖPNV gibt oder weil körperliche oder geistige Einschränkungen die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel ausschließen. Das Dresdner Unternehmen Stadt.Land.Netz hat mit der Plattform VIA eine Cloud-Lösung entwickelt, die den gesamten Prozess von der Antragstellung über die Anspruchsprüfung bis zur Routenplanung digitalisiert — und dabei sowohl den Verwaltungsaufwand als auch die Sachkosten senkt.
Lars Lehmann, einer der beiden Gründer von Stadt.Land.Netz, kennt den Ausgangszustand in den Schulverwaltungsämtern aus zehn Jahren Projektarbeit. „Viele unserer Kunden haben mit Excel und Google Maps gearbeitet, manche hatten tatsächlich noch Papieranträge in Ordnern hängen”, sagt Lehmann. In der Stadt Dortmund, einer der Referenzen des Unternehmens, gehen jährlich rund 17.000 Anträge auf Schülerbeförderung ein. Acht Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bearbeiten sie. Bevor die Plattform im Einsatz war, tippten Sachbearbeiter die Papieranträge einzeln in den Computer, die Schulen erfassten dieselben Daten erneut, und das Verkehrsunternehmen, das die Fahrscheine ausgab, gab den Antrag ein drittes Mal in sein eigenes System ein.
VIA ersetzt diese Mehrfacherfassung durch eine durchgängige Prozesskette. Die Plattform verbindet Verwaltung, Eltern, Schulen und Verkehrsunternehmen auf einer gemeinsamen Oberfläche. Eltern stellen den Antrag über ein Online-Portal, das mobil optimiert ist. „60 bis 70 Prozent der Zugriffe finden auf dem Mobilgerät zwischen 18 und 21 Uhr statt”, berichtet Lehmann. Die Eltern sitzen am Abendbrottisch und erledigen den Antrag auf dem Telefon. Bei einigen Kunden liege die Online-Quote mittlerweile bei 80 bis 90 Prozent — ohne Pflicht, allein durch Akzeptanz.
Der entscheidende Unterschied zu einem bloßen Online-Formular liegt in der integrierten Anspruchsprüfung. Jedes Bundesland hat eigene Schulgesetze, jeder Landkreis eigene Satzungen, und die Prüfung eines einzelnen Antrags erfordert die Abfrage von Mindestentfernungen, nächstgelegener Schule, Bildungszweig und Zumutbarkeit des ÖPNV. VIA führt diese Prüfung bereits bei der Antragstellung durch und zeigt den Eltern das Ergebnis sofort an. Lehmann beschreibt den Effekt so: Die meisten Widersprüche und Verwerfungen zwischen Verwaltung und Bürgern entstünden dort, wo die Bürger nicht wüssten, welche Regeln gelten. Indem das Portal die Regeln transparent mache und auf den konkreten Fall anwende, gingen die Widerspruchszahlen messbar zurück.
Für Fälle, in denen kein Anspruch besteht, hat Stadt.Land.Netz eine Funktion eingebaut, die den Frust der Eltern in einen Geschäftsvorgang umwandelt. Neben dem Hinweis auf die Ablehnung erscheint ein zweiter Button, über den die Eltern eine Fahrkarte auf eigene Kosten beim Verkehrsunternehmen bestellen können. Der Antrag geht dann nicht in die Verwaltung, sondern direkt an den Verkehrsbetrieb, es entsteht ein privatrechtlicher Vertrag. „Das sind kleine Hebel, mit denen man echten Bürgerservice heben kann”, sagt Lehmann.
Der zweite Hebel ist finanzieller Natur und betrifft die Sachkosten. Stadt.Land.Netz hat das Beförderungssystem eines Pilotkunden, das über Jahre manuell gepflegt worden war, in seine Routenoptimierungsalgorithmen eingegeben. Das Ergebnis waren 30 Prozent günstigere Fahrdienstkonstellationen. Selbst fünf Prozent Einsparung, die nach Lehmanns Einschätzung leicht zu erreichen seien, entsprächen bei einem durchschnittlichen Landkreis einem sechsstelligen Betrag. Die Einsparung entstehe, weil die Personen im Schulverwaltungsamt zwar gute Verwaltungsangestellte seien, aber keine Verkehrsplaner. Indem eine Software routenoptimiere und Fahrten zusammenlege, ließen sich Sachkosten senken, ohne die gesetzliche Beförderungspflicht einzuschränken.
Die Lizenzkosten für VIA liegen zwischen 500 und 2.500 Euro pro Monat, je nach Modulumfang und Schülerzahl. Hosting in der Open Telekom Cloud der Deutschen Telekom, Support und Datenverarbeitung ausschließlich innerhalb der EU sind im Preis enthalten. Lehmann stellt die Rechnung lapidar auf: Ein halber Verwaltungsmitarbeiter koste mehr.
Stadt.Land.Netz betreut mittlerweile eine dreistellige Zahl öffentlicher Auftraggeber in allen Bundesländern außer dem Saarland und Rheinland-Pfalz. Typische Kunden sind Landkreise und kreisfreie Städte, daneben auch Landschaftsverbände in Nordrhein-Westfalen. Das Onboarding neuer Kunden dauert ein bis drei Monate. Stadt.Land.Netz übernimmt die Datenmigration, schult die Sachbearbeiter und führt die einzelnen Module schrittweise ein, um den Umbruch im Arbeitsalltag beherrschbar zu halten. (DEKOM, 02.11.2026) Mehr Infos hier…
Über Stadt.Land.Netz
Stadt.Land.Netz wurde 2016 von Lars Lehmann und Marcus Dawidjan in Dresden gegründet und entwickelt mit der Cloud-Plattform VIA eine digitale Gesamtlösung für die kommunale Schülerbeförderung. Die Plattform verbindet Schulverwaltungsämter, Eltern, Schulen und Verkehrsunternehmen und deckt den Prozess von der Antragstellung über die Anspruchsprüfung bis zur Routenoptimierung ab.